Kolumne Dr. Ulrich Stephan | 22.08.2018

Tech-Aktien - Bleibt der Tech-Sektor für Anleger interessant?

Die jüngste Erfolgsstory von Tech-Aktien ist beeindruckend: Der MSCI All Countries World Index IT beispielsweise, der die globalen Technologieunternehmen vereint, legte in den vergangenen fünf Jahren in Euro gerechnet um über 180 Prozent zu.

Und auch längerfristig sonnt sich der Tech-Sektor im Erfolg: Durch ihre vielen Wachstumswerte, die stark von der Konjunktur und der Stimmung am Kapitalmarkt abhängen, profitiert die Branche seit fast zehn Jahren vom weltweiten Wirtschaftsaufschwung. Insbesondere einzelnen Subsektoren wie beispielsweise den Bereichen Big Data & Cloud Computing, Software & Datendienstleistungen, Robotik & Automatisierung sowie Automobil der Zukunft könnte weiterhin hohes Wachstum bevorstehen. Doch in den vergangenen Wochen zogen erstmals seit langer Zeit wieder einige graue Wolken über der Tech-Idylle auf.

Verkäufe im Tech-Sektor

Im Sektor der erfolgsverwöhnten Wachstumsunternehmen waren jüngst wieder Nettoverkäufe zu verzeichnen. Dafür begannen Anleger mehr und mehr in defensivere Titel (z. B. Pharmaaktien) oder in günstiger bewertete Aktien (z. B. aus dem Finanz- und Industriesektor) zu investieren. Auf Basis der Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im globalen Technologiesektor bei 19,1, für Pharma­aktien bei 17,5 und im Finanz- und Industriesektor bei 11,5 beziehungsweise 15,9.

Sensible Investoren – größere Schwankungen

Hauptgrund für die Kapitalverschiebung an den Aktienmärkten dürfte die etwas getrübte Stimmung durch die in der abgelaufenen Berichtssaison zum 2. Quartal 2018 veröffentlichten insgesamt eher gemischten Geschäftszahlen der Tech-Riesen, gewesen sein. Zwar legte ihr Wachstum weiter zu und die Gewinne pro Aktie stiegen – im Technologiesektor des US-Leitindex S&P 500 sogar um durchschnittlich mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Allerdings enttäuschten auch einige der Tech-Giganten die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer. Viele Investoren stellten sich daraufhin die Frage, wie lange die überdurchschnittliche Wertentwicklung der Tech-Aktien noch anhalten und ob der Höhepunkt ihres Gewinnwachstums erreicht sein könnte. Verwöhnt von immer neuen Wachstumsrekorden reagierten sie sehr empfindlich auf diese ungewohnten Dämpfer und stießen Aktien von Unternehmen mit enttäuschenden Quartalsergebnissen ab. Verstärkt wurden die Marktschwankungen durch das in den Sommermonaten traditionellerweise geringere Handelsvolumen an den Börsen.

Langfristiger Ausblick bleibt positiv

Der Blick auf einzelne Tech-Unternehmen mag sich verschlechtert haben, der Ausblick für die gesamte Branche ist aber nach wie vor vielversprechend. Zum einen scheinen die relativ hohen Bewertungen durch die große Marktmacht und die Möglichkeit hohe Margen durchzusetzen gerechtfertigt zu sein.

Zum anderen könnten die anhaltend hohen Gewinnerwartungen für weiteres Kurspotenzial von Technologiewerten sprechen: Sieht man von Energieunternehmen ab – die aufgrund von Basiseffekten nach den niedrigen Ölpreisen im Jahr 2017 ein sehr hohes Gewinnwachstum aufweisen – werden von der Analystengemeinde für glo­bale Technologieunternehmen im Gesamtjahr 2018 mit mehr als 20 Prozent die größten Gewinnzuwächse aller Sektoren erwartet. Auch für 2019 wird mit einem Gewinnwachstum im zweistelligen Prozentbereich gerechnet. Obwohl der Sektor aktuell etwas unter Druck steht, scheint ein baldiges Ende des Erfolgs von Tech-Unternehmen also noch lange nicht in Sicht.

Trotz Schwankungen bleiben Tech-Aktien interessant

Ungeachtet der soliden Aussichten für die Tech-Branche könnten sich die zuletzt beobachteten Trends zur selektiveren Einzeltitelwahl und einer etwas defensiveren Ausrichtung an den Aktienmärkten in absehbarer Zeit fortsetzen. Hauptgründe dafür sind die hohen Bewertungen von Technologie-Aktien sowie die eindeutigen Marktreaktionen auf enttäuschende Quartalszahlen einzelner Unternehmen. Insgesamt dürfte es sich für Anleger empfehlen, in schwankungsintensiveren Zeiten an den Aktienmärkten ein breit diversifiziertes Portfolio etwas defensiver auszurichten – bei entsprechender Risikobereitschaft weiterhin unter Beimischung von Technologieinvestments. Anleger sollten allerdings nicht wahllos in den Tech-Sektor investieren, sondern genau auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung achten, sowie die Wachstumschancen der Unternehmen in den einzelnen Subsektoren berücksichtigen. Unternehmen, denen ein hohes Wachstum über die nächsten Jahre bevorstehen sollte, finden sich unter anderem im Segment Auto der Zukunft. Der Wandel der weltweiten Autoindustrie beschleunigt sich und die Profiteure dürften vor allem innovative Zulieferer und Technologieführer in einzelnen Anwendungen wie Mobilitäts- und Datendienstleistungen, Fernwartungsdienste sowie Systeme für Fahrassistenz und autonomes Fahren sein. Die globale Vernetzung von Daten bietet darüber hinaus die Basis für Wachstum von Unternehmen im Bereich der Netzsicherheit und Bekämpfung der Internetkriminalität (Cyber Security).

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