Kunstwelten | 22.08.2018

Las Vegas setzt auf Kunst

Im Schatten der Glitzerwelt der Glücksspielmetropole hat sich in Las Vegas eine Kunstszene entwickelt, die neben Galerien und anderen herkömmlichen Kunstinstitutionen auch ungewöhnliche Plattformen nutzt, um sich in Szene zu setzen. Der besondere Mikrokosmos von Las Vegas zieht Künstler wie Sammler gleichermaßen in die Stadt.

In der Glitzer-und-Glamour-Stadt Las Vegas strahlen manche Schätze goldener als andere. Die stets boomende Metropole in Nevada hat jenseits des Himmels für Glücksspieler und der schrill-lauten Automatenwelt noch viel mehr zu bieten. Musiker und Schauspieler fühlten sich in Las Vegas schon immer sehr wohl und standen hoch im Kurs. In ihrem Umfeld entwickelte sich in den letzten zehn Jahren auch eine Künstlerszene, der es gelang, in Las Vegas ein stabiles Fundament für die Gegenwartskunst zu schaffen. Inzwischen sind nicht nur viele berühmte Maler und Bildhauer ansässig, sondern es zeigt sich auch bei den treibenden Kräften der Stadt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die Förderung der Kunstwelt ein lohnendes Zukunftsprojekt ist. So präsentieren mittlerweile Casinos stolz neu erworbene Werke, Galerien entstehen, Kunstsammler treffen sich. Alles geschieht noch nicht im grellsten Scheinwerferlicht – aber genau das macht auch den aktuellen Reiz des Kunstkosmos Las Vegas aus. Ein Beispiel hierfür ist die Bellagio Gallery of Fine Art.

Interview

Las Vegas ist sehr kunstaffin

Der passionierte Kunstsammler und ehemalige Juwelier Patrick Duffy wurde kürzlich zum Präsidenten der Nevada School of the Arts ernannt. Duffy ist einer der bedeutendsten Sammler von Las Vegas und war Präsident des Kunstmuseums der Stadt, außerdem im Aufsichtsrat der Galerien der University of Nevada und des Smith Center. Seine Goodman Duffy Collection präsentiert internationale Werke unter anderem in der National Gallery of Art in Washington, D.C. und im Art Institute of Chicago.

Patrick Duffy

Die Galerie hat den Anspruch, in ihrer gediegenen Atmosphäre nur renommierte Künstler in gediegener Atmosphäre zu zeigen – beispielsweise waren hier schon Werke von Picasso und Monet zu sehen. Die Räumlichkeiten sind aber noch immer ein kleiner Geheimtipp, denn Massen finden den Weg hierher nicht. Aber dafür hat man im Bellagio die Gelegenheit, große Kunst in kleinem Rahmen oder sogar ganz allein zu genießen.

Ganz anders ergeht es da den Kunstliebhabern, die sich die Popeye-Statue von Jeff Koons im Hotel Wynn Las Vegas ansehen möchten. Ein eigens abgestellter Sicherheitsmann wacht mit Argusaugen über das für über 28 Millionen Dollar bei einer Sotheby’s-Auktion ersteigerte zwei Meter hohe Kunstwerk. Insgesamt drei dieser Statuen fertigte Koons in den Jahren 2009 bis 2011 und Casino-Baron Steve Wynn überzeugte Popeye offensichtlich als Anlage und Zugpferd zugleich. Die Rechnung ging auf, denn der mit dickem Lack überzogene Seemann ist schon jetzt für viele Las-Vegas-Besucher die Attraktion.

Und auch das Hotel The Venetian setzte mit einem gigantischen Satin-Himmel, der im Atrium hängt, auf ein Statement und ein Bekenntnis zur Kunst.

Wie sehr sich Las Vegas gerade seines eigenen prägenden Stils und seines künstlerischen Einflusses bewusst wird, zeigt das Neon Museum. Nirgendwo wurden raffiniert leuchtende, gigantische Reklametafeln so stylish entworfen wie in Las Vegas. Ob Schilder für Motels, Hotels, Restaurants, Bars oder Casinos, in Las Vegas wurden die Reklametafeln stilprägend – und damit auch zu zu einem Moment der Identität der Stadt. In diesem Open-Air-Museum zeigt eine Non-Profit-Organisation die spektakulären Werbetafeln. Früher strahlten sie am Las Vegas Boulevard um die Wette, heute liegen sie Seit an Seit im heißen Wüstensand des Museums. Eines der berühmtesten Schilder ist sicher das Logo des Stardust Hotels, das auch aus einer ganzen Reihe von Filmen bekannt ist. Die futuristischen Buchstaben des Schildes strahlten einst in einer Wolke aus Neonsternen und griffen das aufkommende Raumfahrtzeitalter auf. Das Spannende an der Aneinanderreihung der monströsen Werbetafeln ist, dass sie ohne Aktivierung der unzähligen Lampen einen ganz eigenen Zauber ausüben. Kein Zweifel, dass hier eine der eindrucksvollsten Ausstellungen der Wüstenstadt zu sehen ist. Einen ganz besonderen Reiz hat „Brilliant“, die neueste Präsentation im Neon Museum: Die ausrangierten toten Schilder erwachen plötzlich wieder zum Leben und ihre Lampen scheinen wieder zu strahlen. Eingespielte Evergreens aus den 1950er- und 1960er-Jahren machen den Zauber perfekt. Dazu fegt der heiße Wüstenwind über die Köpfe. Nirgendwo wird die Kreativität und spezifische künstlerische Kraft von Las Vegas so deutlich wie in diesem Museum.

Patrick Duffy ist Verwaltungsratsmitglied des Neon Museum und selbst einer der größten Kunstsammler von Las Vegas. Sein Privathaus gleicht einem Museum. Werke aus aller Welt, aber auch viele Arbeiten lokaler Künstler finden sich im Salon, über der Treppe, im Arbeitszimmer, im Schlafzimmer und sogar im Garten. Auch Duffy ist überzeugt, dass die Kunstszene in Las Vegas eine große Zukunft hat: „Es leben inzwischen so viele großartige Künstler in der Stadt. Sie und andere herausragenden Persönlichkeiten, aus dem Showbusiness und dem Entertainment t können sich hier gegenseitig befruchten wie nirgends sonst. Das hat die Kunstwelt inzwischen verstanden, auch wenn es hier noch nicht so viele bedeutende formelle Museen gibt, aber Las Vegas ist einfach anders.“

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