Interview | 22.03.2019

Ein Index zum gut Schlafen

Wer Thomas Müller am Sitz seines Unternehmens besucht, hat keine Zweifel darüber, was den Chef der TM Unternehmensgruppe umtreibt. Börsenkunst an den Wänden, ein Börsenmuseum oder Fotos von Events zum Thema Börse dokumentieren, wie sehr er von den Finanzmärkten fasziniert ist. Im Gespräch mit X-press verriet Müller, was ihn zur Entwicklung des BCDI veranlasste.

X-press: Herr Müller, wenn man Sie und Ihr Unternehmen erlebt, bekommt man den Eindruck, Sie seien ein Vollblut-Börsianer. Stimmt das?

Thomas Müller: Absolut. Das Thema Börse hat mich irgendwie schon immer fasziniert. Angefangen habe ich vor über 30 Jahren in meiner Studentenbude mit hektografierten Börsenbriefen. Das war nach dem „Schwarzen Montag“ 1987 und selbst für einen notorischen Optimisten wie mich eine manchmal nicht einfache Zeit. In den Neunzigern sind wir dann mit boerse.de, Europas erstem Finanzportal, online gegangen. Inzwischen haben wir hier in Rosenheim knapp 50 Mitarbeiter – mit jeder Menge Kompetenz. Mein Vorteil ist, dass ich seit 1987 alle Hochs und Krisen mitgemacht habe – auch die, an die sich scheinbar keiner mehr erinnert, wie die von 2001–2003.

X-press: Wie kam es zur Entwicklung des BCDI?

Müller: 2002 haben Jochen Appeltauer und ich die Performance-Analyse entwickelt, ein Konzept, das es uns ermöglicht, langfristig erfolgreiche Aktien zu identifizieren. Den 100 besten haben wir den Status „Champion“ verliehen und über sie berichtet. Nach einem Vortrag bekam ich Post von einer älteren Dame, die ich schon lange kannte und die mich um Rat beim Anlegen bat. Sie wollte schon Renditen erzielen, aber trotzdem gut schlafen können. Und weil wir keine Anlageberater sind, entstand daraus die Idee, zehn unserer Champions im BCDI zusammenzufassen und über ein Zertifikat investierbar zu machen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

X-press: Und sogar eine ziemlich erfolgreiche.

Müller: In der Tat, und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist es ein großer Erfolg, dass die Anleger das BCDI-Zertifikat so gut aufgenommen haben und mehr als 100 Mio. Euro in das Produkt investiert haben. Das war so nicht zu erwarten und hat uns schon ein wenig überrascht. Zum an­deren ist der BCDI, Stand Ende Februar, seit Emission um 42,7 Prozent gestiegen. Das sind 7,9 Prozent pro Jahr. Damit hat er praktisch alle europäischen Vergleichsindizes abgehängt. Der Dax hat im gleichen Zeitraum 17 Prozent zugelegt. Das ist anständig, aber eben weniger als der BCDI – das hat uns wiederum nicht überrascht.

X-press: Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Müller: Auf die Zusammenstellung. Schauen Sie sich doch den Dax zum Vergleich an: Da finden Sie Branchen wie Automobil, Energie, Versicherungen und Software. Dagegen finden Essen und Trinken im Dax so gut wie gar nicht statt.

X-press: Und warum ist gerade die Nahrungsmittelbranche so wichtig?

Müller: Ganz einfach: Gegessen, getrunken oder geputzt wird immer. Die Nahrungs- und die Konsumgüterbranche sind kurzfristig vielleicht nicht besonders dynamisch, aber langfristig hängen sie manche anderen Branchen ab. Und das wollen wir ja. Denken Sie an die alte Dame, von der ich eben erzählt habe und die es wirklich gibt. Sie wollte langfristige Renditen und eine gute Nachtruhe. Mit dem BCDI hat sie beides.

Ständig aktuelle Analysen, Daten und Vergleiche zum BCDI gibt es auf www.bcdi.de.

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