BCDI – 10 defensive Champions | 22.03.2019

Hall of Fame

Davon träumt wohl jeder Anleger – nur solche Unternehmen im Depot zu haben, die über nachhaltig stabile Aussichten verfügen, deren Aktienkurs sich langfristig nach oben bewegt und die auch in Korrekturphasen nicht den Boden unter den Füßen verlieren. Sozusagen eine Hall of Fame der Aktienmärkte. Unmöglich? Der vom Rosenheimer TM Börsenverlag zusammengestellte boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI) will genau das tun.

Interview

Ein Index zum gut Schlafen

Wer Thomas Müller am Sitz seines Unternehmens besucht, hat keine Zweifel darüber, was den Chef der TM Unternehmensgruppe umtreibt. Börsenkunst an den Wänden, ein Börsenmuseum oder Fotos von Events zum Thema Börse dokumentieren, wie sehr er von den Finanzmärkten fasziniert ist. Im Gespräch mit X-press verriet Müller, was ihn zur Entwicklung des BCDI veranlasste.

Thomas Müller

Ganz gleich, welche Ziele Anleger verfolgen, ob sie Daytrader sind oder fürs Alter vorsorgen möchten, ob sie Millionenbeträge investieren oder den Sparstrumpf geplündert haben, ob sie in den Handelsräumen großer Finanzinstitute sitzen oder am privaten Schreibtisch unterm Dach – die Auswahl der Basiswerte ist mit der wichtigste Faktor bei ihren Anlageentscheidungen. Fehler, die hier gemacht werden, gehen später oftmals zulasten der Rendite und sind dann nur noch schwer zu korrigieren. Schließlich gilt gerade für Privatanleger das alte Börsensprichwort: „Hin und her macht Taschen leer“. Entsprechend wird kaum ein Thema unter privaten wie professionellen Anlegern so heftig diskutiert wie das der richtigen Basiswertauswahl. Analysten wie Anleger sind überall auf der Welt ständig auf der Suche nach der neuen Superaktie, dem vielversprechendsten Start-up oder dem neuen Megatrend. Immer in der Hoffnung auf ein künf­tiges Kursfeuerwerk. Für Thomas Müller, Vorstandschef des TM Börsenverlags aus Rosenheim, ist das jedoch zu kurz gesprungen: „Die Strahlkraft, die von vermeintlich besonders dynamischen Aktien ausgeht, kann ich gut verstehen – und sie haben im Rahmen eines Portfolios natürlich ihre Berechtigung –, aber was die meisten Anleger vor allem suchen ist ein solides Basisinvestment für den langfristigen Vermögensaufbau.“

erfolg am Markt

Genau ein solches Basisinvestment könnten Müller und sein Team mit dem boerse.de-Champions-Defensiv-Index entwickelt haben. Und nach Ansicht etlicher Anleger ist ihnen dies auch durchaus gelungen. 2014 wurde das auf dem Index beruhende BCDI-Zertifikat DT0BAC an der Börse eingeführt – mit durchschlagendem Erfolg: Bereits 15 Monate später, im September 2015, hatten Anleger mehr als 100 Mio. Euro in das Zertifikat investiert. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter, denn das Zertifikat war 2018 zum dritten Mal in Folge das meistgehandelte Indexzertifikat an der Stuttgarter Derivatebörse Euwax.

Auf einen Blick
WKN DT0BAC
Name boerse.de-Champions-Defensiv-Index Open End Index Zertifikat
Brief 147,82 EUR
Laufzeit Open End
Stand 20.08.2019 18:25:00 Quelle: Deutsche Bank AG

Der Grund für diesen Erfolg ist schnell gefunden: die Performance. Den Vergleich mit Benchmark-Indizes muss der BCDI jedenfalls nicht scheuen – ganz im Gegenteil. Betrachtet man den Zeitraum seit Emission des BCDI-Zertifikats im Juli 2014 bis Ende Februar 2019, steht ein beeindruckendes Plus von 42,7 Prozent zu Buche. Der Dax brachte es im gleichen Zeitraum auf 17,1 Prozent, während der Euro Stoxx 50 lediglich 14,5 Prozent zulegte.

Auswahlkriterien

auf die Auswahl kommt es an

Die Märkte beobachten und Unternehmen analysieren, das tun viele. Doch wodurch unterscheidet sich der BCDI von anderen Auswahlindizes? Um das Konzept der Aktienauswahl besser zu verstehen, lohnt der Blick in die Vergangenheit: Seit 1987 beobachten Müller und sein Team die Finanzmärkte für die Börsenbriefe, die in seinem Verlag erscheinen. In den Neunzigern gingen die Rosenheimer mit boerse.de, Europas erstem Finanzportal online und schufen sich eine Datengrundlage für die Beobachtung von Aktien und Unternehmen. 2002 entwickelte Müller dann gemeinsam mit Jochen Appeltauer die Performance-Analyse, ein Konzept, das unter Zuhilfenahme verschiedener Risiko- und Renditekennzahlen ein Ranking der beobachteten Aktien ermöglicht. Die in den vergangenen 10 Jahren nach diesen Kriterien jeweils 100 besten der von den Performance-Analysten untersuchten rund 29 000 Ak­tien erhalten den Titel Champion und Zutritt zum boerse.de-Champions-Index (BCI), der seit 2002 börsentäglich berechnet wird. Bei der Auswahl lassen sich die Börsenprofis von zwei Grundannahmen leiten, nämlich erste ns, dass bei größeren Unternehmen alle wichtigen Informationen bereits im Aktienkurs eingepreist sind (so dass eine Bewertung anhand des Kurses erfolgen kann), und zweitens, dass die langfristig betrachtete Kursentwicklung in der Vergangenheit der sicherste Indikator für künftige Kursverläufe ist.

warnendes Beispiel neuer Markt

Den Einwand, dass dabei gerade die spannendsten und dynamischsten Aktien durchs Raster fielen, lässt Müller nicht gelten: „Erstens ist es viel wahrscheinlicher, dass ein Unternehmen, das bislang bei – wohlgemerkt – langfristiger Betrachtung erfolgreich war, dies auch in Zukunft sein wird, und zweitens können emotionale Faktoren so ausgeschaltet werden.“ Als Beispiel führt er den Neuen Markt an: „Damals haben sich viele Anleger von der Begeisterung für Web 2.0 und die New Economy einfach mitreißen lassen und, anstatt in bewährte Geschäftsmodelle zu investieren, auf wolkige Zukunftsversprechen gesetzt.“ Sie hätten seinerzeit schmerzlich erfahren müssen, dass nachhaltiger Erfolg mit Fantasie alleine nicht erzielbar ist und dass gerade junge Unternehmen und neue Branchen besonders anfällig für den rauen Gegenwind auf den Märkten sind. Müller rät von einem derartigen Investment nicht grundsätzlich ab, gibt aber zu bedenken, dass solche Unternehmen als Basisinvestment und für den langfristigen Vermögensaufbau ungeeignet sind.

die macht der drei

Welche Kriterien gelten also bei der Zusammenstellung des BCI? Drei Kennziffern – zwei Ertrags- und eine Risikokennziffer – sind es, die darüber entscheiden, ob eine Aktie das Zeug zum Champion hat oder nicht.

Branchen im BCDI

Erstes Kriterium: Der durchschnittliche jährliche Kursgewinn der letzten 10 Jahre. Dieser wird mithilfe der Kennziffer geoPAK10 gemessen, der geometrischen jährlichen Kursentwicklung. Basis ihrer Berechnung ist das Verhältnis zwischen dem aktuellen Kurs und dem Durchschnittskurs der ersten 12 Monate. Damit werden Unternehmen mit langfristig überdurchschnittlichen Renditen identifiziert. Dazu kommt die Gewinn-Konstanz, d.h. der Prozentsatz der mit Gewinn abgeschlossenen Zeiträume. Damit erhalten nur solche Unternehmen den Champion-Status, die eine besonders hohe Gewinn-Konstanz aufweisen. Ergänzt werden diese Kriterien schließlich um die Verlust-Ratio. Bei dieser Kenngröße wird die Verlustwahrscheinlichkeit analysiert. Dabei wird der gewichtete Durchschnittsverlust in der Vergangenheit bewertet und betrachtet, wie stark der Kurs korrigiert und wie schnell er sich wieder erholt hat. Das Ergebnis der Analyse ist ein Pool von 100 Unternehmen, die in der Vergangenheit besonders hohe Kursrenditen erzielt haben, dies über einen möglichst langen Zeitraum getan haben, möglichst wenige Kurskorrekturen hinnehmen mussten und diese möglichst gut weggesteckt haben.

boerse.de-Champions-Defensiv-Index IM VERGLEICH

best of the best

Nur die zehn besten und sichersten – d.h. defensivsten – Unternehmen finden Eingang in den exklusiven Club des BCDI-Zertifikats. Defensiv deswegen, weil das BCDI-Zertifikat erklärtermaßen als Basisinvestment und nicht als Spekulationsobjekt dienen soll. Entsprechend konsequent fällt auch die aktuelle Zusammenstellung des Index aus: E-Commerce? Biotechnologie? Elektromobilität? Fehlanzeige. Stattdessen ein klarer Schwerpunkt auf der Lebensmittel- und Getränkebranche. Gleich vier Unternehmen in dem gleichgewichteten Index kommen aus der Lebensmittel- und Getränkebranche, nämlich Compass Group, Diageo, Lindt & Sprüngli sowie Nestlé. Ebenfalls stark vertreten: Konsumartikelhersteller wie der britische Putzmittelriese Reckitt Benckiser, der Brillenglashersteller Essilor und L’Oréal aus Frankreich. Daneben gehören mit dem deutschen Medizintechnikhersteller Fresenius und dem Schweizer Duftstoff- und Aromenproduzenten Givaudan zwei Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche dem BCDI an. Der Aufzughersteller Schindler, ebenfalls aus der Schweiz, ist der einzige Maschinenbauer unter den defensiven Champions. Diese Schwerpunktsetzung überrascht Müller keineswegs: „Gegessen, getrunken, sich gewaschen oder geputzt wird immer.“

Zusammensetzung

die zahlen sprechen für sich

Auf die Unternehmensgröße kommt es dabei nicht an: So hat der Edelschokoladenhersteller Lindt & Sprüngli mit einer Marktkapitalisierung von 14,5 Mrd. Euro und einem 2018er-Umsatz von 3,8 Mrd. Euro das gleiche Gewicht wie der Nahrungsmittelriese Nestlé, der im gleichen Zeitraum über eine Marktkapitalisierung von 209,1 Mrd. Euro verfügte und fast 80 Mrd. Euro umsetzte. Der Blick auf die Performance scheint das Konzept zu bestätigen: Im Februar legte der BCDI – mit drei britischen Indexkomponenten – um 3,7 Prozent zu und hängte den FTSE 100, der lediglich 1,5 Prozent hinzugewann, deutlich ab. Der Vorsprung vor dem Dax, der auf ein Kursplus von 3,1 Prozent kam, ist zwar kleiner, aber dennoch deutlich – auch hier beweist sich der BCDI wieder als echter Champion. Ausführliche und aktuelle Performance- und Renditevergleiche sowie Neuigkeiten zum Index und seinen Bestandteilen gibt es auf www.bcdi.de, alle Details zum BCDI-Zertifikat finden sich wie gewohnt auf www.bcdi.xmarkets.de.

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