Interview | 22.03.2019

Der Kurator von Salvadors Farben

Für Salvadors Kunstfreunde ist die Galerie von Paulo Darzé eine Institution. Einmal im Jahr zeigt der Galerist auf einer Sammelausstellung Bilder und Skulpuren der bedeutendsten Künstler der Region. Im X-press-Interview erklärt er die Faszination, die Salvador auf Künstler und Sammler ausübt.

X-press: Was zeichnet Salvdors Kunstszene besonders aus?

Paulo Darzé: Salvador ist seit jeher berühmt für seinen kulturellen Reichtum. Die Kunstszene reflektiert diese kulturelle Kraft. Die Brasilianer stammen von Afrikanern, Europäern und Indern ab und in Salvador fühlt man das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Herkünfte am stärksten. Es ist eine Stadt voller Kultur, Geschichte und Persönlichkeit. Aus diesem Grund hat es auch immer schon Künstler und die intellektuelle Bourgeoisie aus anderen Teilen des Landes und aus der ganzen Welt hierher gezogen. Salvador steckt voller Wunder und voller Erinnerungen an sie, die Reisende wie Carybé, Pierre Verger oder viele andere dazu bewogen haben, sich hier niederzulassen.

X-press: Wie hat sich der Kunstmarkt in den letzten Jahren verändert?

Paulo Darzé: Der brasilianische Markt hat sich in der letzten Zeit gewaltig gewandelt. Leider gibt es in Brasilien keine formale Kunstausbildung. Dies gehört nicht zum akademischen Programm, unsere Kinder werden daher auch nicht dazu angeregt, Kunst zu rezipieren und Galerien oder Museen zu besuchen. Aus diesem Grund war die Klientel, die Kunstwerke gekauft hat, hier immer etwas älter und meist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Die meisten meiner Kunden begannen erst jenseits der 50 damit, Kunst zu erwerben. In den letzten zehn Jahren hat sich dies aber stark gewandelt und eine neue Generation beginnt heute bereits mit Mitte 35, sich eine eigene Sammlung aufzubauen.

X-press: Was sind die Höhepunkte des diesjährigen Kunstkalenders?

Paulo Darzé: Das MASP (Museu de Arte de São Paulo) hat in den letzten Jahren ein ganz hervorragendes Programm ausgearbeitet, das sich in Sammel- und Einzelausstellungen um die Achsen verschiedener Themen dreht: Im Jahr 2017 ging es um die Geschichte der Sexualität, im letzten Jahr um afroatlantische Erzählungen und in diesem Jahr ist die Geschichte des Feminismus und der Frauen der Dreh- und Angelpunkt. Dieses Programm reflektiert stark die neue Mission des Museums: Das MASP hat die Aufgabe, durch die visuellen Künste und auf kritische und kreative Weise einen Dialog herzustellen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den einzelnen Kulturen und den verschiedenen Landesteilen. Im April starten dort die Ausstellungen von Tarcila do Amaral und Lina Bo Bardi. Hier in Salvador wird Vik Muniz im Juni seine erste Einzelausstellung präsentieren, gleichzeitig in der Galerie Paulo Darzé und im MAM-BA. In meiner Galerie werden wir außerdem im Oktober Daniel Senise und im Dezember Leda Catunda zeigen.

Das Interview führte Jürgen Wenzel

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