Kunstwelten: Salvador da Bahia | 22.03.2019

Salvador – Kunst aus Brasiliens kulturellem Schmelztiegel

Bis ins 18. Jahrhundert war Salvador da Bahia Brasiliens wohlhabende Hauptstadt. Auf die Künstler wirken hier seit Jahrhunderten afrikanische und europäische Einflüsse gleichermaßen.

Interview

Der Kurator von Salvadors Farben

Für Salvadors Kunstfreunde ist die Galerie von Paulo Darzé eine Institution. Einmal im Jahr zeigt der Galerist auf einer Sammelausstellung Bilder und Skulpuren der bedeutendsten Künstler der Region. Im X-press-Interview erklärt er die Faszination, die Salvador auf Künstler und Sammler ausübt.

Paulo Darzé

Salvador da Bahia, Brasiliens drittgrößte Stadt, ist ein kultureller Schmelztiegel. Mehr als 80 Prozent seiner Einwohner haben einen afrikanischen Hintergrund. Jahrhundertelang prägen die Nachfahren von Sklaven das kulturelle und religiöse Leben der Hafenstadt. Kein Maler traf die kulturelle Mischung Salvadors so genau, so treffend wie Carybé. Über 5000 Bilder, die die Stadt und ihre Bewohner porträtieren, schuf der Maler und Bildhauer bis zu seinem Tod im Jahr 1997. Die Werke des Künstlers finden sich in vielen Restaurants, in mondänen Hauseingängen und in Institutionen der Stadt. Eine große Auswahl des Schaffens von Carybé kann man auch im Afro-Brasilianischen Museum betrachten. Bis zum Jahr 1763 dominierte Salvador als Hauptstadt das wirtschaftliche Leben des ganzen Landes. Die ersten Europäer trafen hier erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein. Nach einem Schiffbruch hatten sie sich an die Küste retten können und sich dort angesiedelt. Zuvor war die Gegend nur von indigenen Völkern bewohnt worden. Der wirtschaftliche Aufschwung gelang mit der Stadtgründung im Jahr 1549 und dem weiteren Zuzug portugiesischer Einwanderer. Damals begann auch der Aufstieg zum wichtigen Exporteur von Zucker. Salvador wurde zur größten Stadt der südlichen Erdhalbkugel und zum Leuchtturm der Wirtschaftskraft des Landes. Der entscheidende Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg war die billige Arbeitskraft der Sklaven, die rund um die Stadt auf den Plantagen arbeiteten. Zwischen 1740 und 1820 war Brasilien auch der weltweit dominierende Produzent von Gold und Diamanten. Prachtvolle Schmuckstücke, die für die portugiesischstämmige Bevölkerung, aber auch für besondere Sklavinnen hergestellt wurden, stammen aus dieser Zeit. Im Antiquitätengeschäft von Itamar Musse Júnior kann man neben wertvollen kirchlichen Exponaten im obersten Stockwerk auch rund 300 dieser kreolischen Juwelen-Kostbarkeiten bewundern. Itamar Musse Júnior zu X-press: „Lieblingssklavinnen wurden von ihren Herren oft mit Schmuck beschenkt. Und auch ehemalige Sklavinnen, die es zu Wohlstand brachten, kauften sich wertvolle Schmuckstücke, die dann stolz in den Straßen und Kirchen Salvadors getragen und gezeigt wurden.“ Die weltweit einzigartige Sammlung, die hier zu sehen ist, wurde von privaten Sammlern zusammengetragen. Es ist eine besondere afrobrasilianische religiöse Mischung, die nicht nur den Schmuckstücken, sondern allen Kunstwerken aus dieser Stadt ihren ganz eigenen Charakter gibt. So hat die Candomblé-Religion, eine Mixtur afrikanischer Rituale, ihren Ursprung in Salvador da Bahia. Ihren immensen Einfluss auch auf die Gegenwartskunst spürt man im Museu de Arte Moderna de Bahia – oder MAM-BA –, das in der ehemaligen Anlage einer Zuckersiederei untergebracht ist. Das Umfeld, direkt am Atlantik in Salvadors Unterstadt, könnte schöner nicht sein. Das Museum zeigt unterschiedlichste Stilrichtungen, mit dem Schwerpunkt Malerei, Silber und Fotografie. Werke großer Künstler wie Tarsila do Amaral, Candido Portinari, Emiliano Di Cavalcanti und Carybé sind hier zu sehen. In der Kunstszene von Salvador gehört das MAM-BA zu den wichtigsten Treffpunkten, finden hier doch auch regelmäßig bedeutende Sonderausstellungen internationaler Künstler statt. Für einen Besuch sollte man schon einen ganzen Tag einplanen, zu dem umfassenden Museumskomplex gehört nämlich auch ein wunderschöner Skulpturengarten und sogar eine kleine Kirche. Ein Tipp: Unbedingt bis zum Abend bleiben, denn der Sonnenuntergang ist der schönste der Stadt. Die beste Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild von der vibrierenden Kunstszene Salvadors zu machen, ist das breite Angebot an Kunstgalerien. Eine echte Institution unter den Förderern regionaler Künstler ist Paulo Darzé. Große Namen wie Mário Cravo Neto und Daniel Senise gehören zu den Künstlern, die er vertritt. Zu den Top-Galeristen Salvadors zählt auch Fabio Pena Cal, bei dem etablierte Künstler wie Florian Raiss oder Adrianne Gallinari zu sehen sind.

Tags

X-press Magazin © 2019