Wie Anleger den richtigen Riecher beweisen | 29.01.2019

Saustark? China im Jahr des Schweins

Im Jahr des Schweins hat sich China auf die Fahnen geschrieben, Heraus­forderungen zu meistern und einige ­damit verbundene wirtschaftliche Chancen zu ergreifen. Rosige Zeiten könnten also diejenigen Anleger erwarten, die diese Dynamik nutzen wollen und mutig agieren. Mut ist übrigens eine Eigenschaft, die auch das Schwein auszeichnet.

Kommentar

PKW Verkauf in China

In China sind 2018 erstmals seit zwanzig Jahren weniger Pkw als im Vorjahr verkauft worden.

Dr. Ulrich Stephan

Im Vergleich zu anderen Teilen der Welt sind die Silvesterpartys in China – mit Ausnahme der Sonderverwaltungszone Hongkong – eher klein ausgefallen. Denn richtig groß gefeiert wurde im bevölkerungsreichsten Land erst am 5. Februar 2019. An diesem Tag endete gemäß Mondkalender das Jahr des Hundes und das des Schweins wurde von den Chinesen begrüßt. War das vorangegangene Jahr noch von der Loyalität, Disziplin und Verlässlichkeit des bodenständigen Hundes geprägt, so stehen fortan Mut, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft des fleißigen, mitfühlenden und großzügigen Schweins im Mittelpunkt.

Mäßiger Schwung

Das sind durchaus Eigenschaften, die der chinesischen Wirtschaft zugutekommen könnten, denn noch vor dem Jahreswechsel soll diese nach Einschätzung einheimischer Ökonomen weiter an Schwung verloren haben. So fiel das BIP des roten Riesen von 6,8 Prozent im ersten auf 6,4 Prozent im vierten Quartal 2018 und betrug somit für das Gesamtjahr 6,6 Prozent. Zwar ist der Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten nicht die Ursache für den langfristigen Rückgang des chinesischen Wachstums, doch hat dieser Disput den BIP-Rückgang des letzten Jahres bewirkt. Entsprechend groß ist die Sorge, denn werden die chinesisch-amerikanischen Beziehungen langfristig nicht wiederhergestellt, so könnte das Wachstum auf ein Niveau sinken, das zumindest für Peking beunruhigend wäre. Kompromisse und Verhandlungsergebnisse zwischen den beiden Schwergewichten lassen sich nicht voraussehen und sind mindestens so ungewiss wie der Inhalt des nächsten Kurzmitteilungs-Gezwitschers von US-Präsident Trump. Im schlimmsten Fall würde der Wachstumsrückgang zu Kontroversen innerhalb Chinas führen, die dessen Regierung zunehmend infrage stellen könnten. Immerhin ist das Wirtschaftswachstum mittlerweile so langsam geworden, wie seit der Finanzkrise Ende des vorigen Jahrzehnts nicht mehr. Dem entgegen steht jedoch, dass sich das chinesische Bruttoinlandsprodukt allein in den letzten 20 Jahren verzwölffacht hat und eine Verlangsamung der Wachstumsgeschwindigkeit nur eine Frage der Zeit war.

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Stand 23.10.2019 15:36:44 Quelle: Deutsche Bank AG

Bedeutende Gegenmaßnahmen

Angesichts der Konjunkturabkühlung in China und des Zollstreits mit den USA will die Pekinger Regierung der Wirtschaft nun mit Steuergeschenken Schub verleihen. Denn trotz aller Unsicherheiten steht fest, dass der Druck im Kessel der Wachstumslokomotive nachgelassen hat. Dabei sei bemerkt, dass die Wachstumswerte der chinesischen Wirtschaft immer noch Zahlen hervorbringen, die viele andere Ländern nur allzu gerne verbuchen würden. Ein Plan muss also her, um den Haupttreiber der Weltwirtschaft wieder glänzen zu lassen und um im Jahr des Schweins den Weg zu den rosigen Verheißungen zu ebnen. Neben den bereits angesprochenen Steuersenkungen wäre eine erneute Reduzierung des Mindestreservesatzes für Banken günstig, gäbe sie doch Spielraum für die Kreditvergabe an Unternehmen. Zumindest ist von Analystenseite in diesen Tagen oft zu hören, dass die Regierung in Peking auch dieses Mal nicht tatenlos zusehen, sondern die Wirtschaft mit gezielten Maßnahmen zur Förderung der Binnennachfrage stabilisieren wird. Zur Kompensation der Wachstumsverlangsamung hat die chinesische Regierung bereits im Oktober 2018 den Steuerfreibetrag von 3500 Renminbi (445 Euro) auf 5000 Renminbi (635 Euro) im Monat erhöht. Außerdem sollen seit Anfang des Jahres unter anderem die Ausgaben für die Ausbildung der Kinder, Kosten für die Behandlung schwerer Krankheiten sowie Mieten und Immobilienkreditzinsen absetzbar sein. Darüber hinaus sollen voraussichtlich im März auf dem jährlichen Volkskongress, an dem 3000 Delegierte teilnehmen, weitere Maßnahmen besprochen werden, die sich zumindest mittelfristig in den Daten niederschlagen werden. Vor diesem Hintergrund gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass die chinesische Wirtschaft in den nächsten Jahren zwar nicht mehr so stark wachsen werde wie bisher, die Zuwächse jedoch immer noch mehr als 6 Prozent betragen dürften, was wiederum für ein Schwergewicht wie China in absoluten Werten ein beachtliches Wachstum darstellt.

Hang Seng China Enterprises Chart

Wachstum durch Konsum

Gestützt auf die seit Dekaden real steigenden Einkommen zählen die chinesischen Konsumenten zu den optimistischsten weltweit. Entsprechend übertraf der Einzelhandelsumsatz mit einem Anstieg von 9,2 Prozent im dritten Quartal 2018 die Erwartungen der Analysten. Dabei ging er jedoch auch im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10,4 Prozent zurück. Neben einer allgemeinen Verunsicherung soll die Lust am Geldausgeben speziell durch die hohen Immobilienkosten und Mieten sowie das schwache Börsenjahr gebremst worden sein: Der Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI), ein Aktienindex, der die Kurse der sogenannten H-Aktien an der Hongkonger Börse abbildet und die Aktienkurse von 50 Unternehmen des chinesischen Festlands enthält, verlor in 2018 rund 13,6 Prozent. Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber langlebigen Konsumgütern war ebenfalls zu verzeichnen. So ist die Autoverkaufsmenge im Jahr 2018 erstmals seit 20 Jahren gesunken (siehe Kommentar von Dr. Ulrich Stephan). Laut Branchenverband China Passenger Car Association sackte der Absatz von Personenwagen im Jahr 2018 um sechs Prozent ab. Dennoch bleibt der private Konsum eine der wichtigsten Stützen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Anleger, die gezielt in chinesische heimatstarke Unternehmen investieren möchten, die Verbrauchsgüter produzieren oder Dienstleistungen für Verbraucher anbieten, können dies unter anderem mit dem Index-Zertifikat auf den Solactive China Consumer Index.

Wirtschaft im Wandel

Liu Yuanchun, Wirtschaftsprofessor der Volksuniversität in Peking, sieht in den schwächeren Zahlen jedoch kein großes Problem, denn insbesondere der Abbau von Schulden und Finanzrisiken haben zur Verlangsamung der Wirtschaft beigetragen. „Die Reduzierung der Wachstumsgeschwindigkeit der chinesischen Wirtschaft hängt auch mit der Transformation Chinas vom Lohnhersteller, der durch hohe Geschwindigkeiten glänzt, hin zum Produzenten zusammen, der mit hoher Produktqualität überzeugen möchte. Diese für die Gesamtwirtschaft positiven Auswirkungen sind jedoch noch nicht in den vorliegenden Wirtschaftsdaten abzulesen“, pflichtet Bodo Krüger, Präsident des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreis e.V., bei. Trotz des schwächelnden Automobilmarktes ist beispielsweise Volkswagen zuversichtlich, weiter Wachstum in China zu erreichen. Auch in 2018 habe der Konzern Marktanteile hinzugewonnen. So solle nicht nur die Einführung neuer Modelle auch in diesem Jahr wieder zu einem Absatzplus in China führen, die gesamte Zukunft von Volkswagen werde sich auf dem chinesischen Markt entscheiden, verkündete VW-Chef Herbert Diess, der nun auch persönlich die strategische Führung des China-Geschäfts übernommen hat. „Volkswagen muss chinesischer werden“, wiederholte Diess mehrmals auf einer Pressekonferenz Anfang 2019. Bislang wurde überwiegend europäische Technik in China eingeführt, doch nun wandelt sich der Automarkt und soll bald mehr der Smartphone-Branche gleichen, bei der neben der Hardware auch die Software eine wichtige Rolle spielt. Und dafür plant der VW-Konzern weitere Kooperationen mit chinesischen Technologieunternehmen.

Index-Zertifikat AUF Solactive China Consumer Index
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Name Solactive China Consumer Index (NTR) Open End Index Zertifikat
Brief 0,00 EUR
Laufzeit Open End
Quanto
Stand 23.10.2019 15:36:44 Quelle: Deutsche Bank AG

Deutlicher Vorsprung

Einen großen Schritt weiter ist dagegen schon das chinesische Start-up Byton, das ab Ende 2019 den deutschen Luxusmarken mit einem Elektro-SUV Konkurrenz machen möchte. Das Unternehmen, dessen Name sich von „Bytes on Wheels“ ableitet, wird von internationalen Managern und Entwicklern geführt, die bei renommierten Unternehmen wie BMW, Tesla, Apple oder Google bereits viel Erfahrung sammeln konnten. Das Geschäftsmodell von Byton-CEO Carsten Breitfeld beruht auf drei Säulen. Fahrzeuge sollen verkauft oder verleast werden. Zusätzlich versprechen Mobilitätsdienste langfristig das größte Geschäft. Darüber hinaus sind die Fahrzeuge eine Plattform, über die digitale Dienste verkauft werden. Genau hierfür hat Byton bereits höchst solvente Partner. Es handelt sich um die chinesischen Schwergewichte Foxconn, Baidu und Tencent.

Auto der Zukunft

Die Beteiligungen von Tencent wiederum am Elektroautohersteller Tesla oder auch am Online-Geodatendienst Here, an dem auch Daimler, Audi und BMW beteiligt sind, erscheinen durchaus nachvollziehbar. Zumindest wirken die Investitionen des Online-Giganten wie sinnvolle Ergänzungen zu dessen Geschäftsfeldern Sofortnachrichtendienste, Social Networks im Internet, Onlinemedien, Internet-Mehrwertdienste, interaktive Unterhaltung, also (Online-)Spiele, elektronischer Handel und Onlinewerbung. Es ist also nicht nur die Zukunft diverser Unternehmen, die sich auf dem chinesischen Markt entscheidet. Das Auto der Zukunft scheint ohne Zusammenarbeit mit chinesischen Entwicklern nicht mehr möglich zu sein. Aus diesem Grund könnten auch große Automobilkonzerne aus China, die bereits erstklassige Expertise im Bereich Elektromobilität und Autonomes Fahren aufweisen, für Anleger interessant bleiben. In BYD, Geely oder auch Great Wall Motor Company beispielsweise können Anleger mit einem Preisabschlag gegenüber dem aktuellen Börsenkurs per Discount-Zertifikat investieren. Der Discount schützt den Anleger begrenzt gegen Kursverluste des jeweiligen Basiswerts und ermöglicht positive Renditen bereits bei seitwärts tendierenden und sogar bei leicht fallenden Kursen. Weitere Informationen zu einer Vielzahl von Discount-Zertifikaten auf attraktive chinesische Einzelwerte finden sich unter www.xmarkets.de.

Automobilindustrie China

Luxuriöser Konsum

Die Zukunft der Luxusgüter liegt scheinbar auch in der Hand von China beziehungsweise von Chinesen. Denn laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey werden chinesische Konsumenten 2025 für knapp der Hälfte des globalen Luxusgüterumsatzes verantwortlich sein. Schließlich nimmt die chinesische Ober- und Mittelschicht und damit auch die Anzahl der Konsumenten für Luxusartikel, getrieben durch das Wirtschaftswachstum, kontinuierlich zu. Zudem gelten diese Schichten als besonders kon­sumfreudig, markentreu, preissensibel und reiselustig. Zwar hat der Glaube an den Aufstieg des chinesischen Luxusmarktes im vergangenen halben Jahr aufgrund der Handelsstreitigkeiten mit den USA einen Dämpfer bekommen, doch genau aus dieser wachsenden Skepsis könnte sich eine neue Chance er­geben – die Idee dafür kommt aus China.

Umsatz Luxusgüter in China

Globale Expansion

Denn auch Alibabas Gründer Jack Ma beabsichtigt, neue Regeln für die Zukunft aufzustellen. Mit der „electronic World Trade Platform“ – kurz eWTP – plant Alibaba, dessen wichtigster Partner die Konsumgüterindustrie ist, weltweit Hersteller direkt mit den Endkunden zusammenzubringen, und verfolgt dabei in der Rolle als neutraler Mittler ein radikal anderes Konzept als Amazon. Die Amerikaner nämlich bieten selbst als Händler auf ihrem Marktplatz anderen Onlinehändlern einen weiteren Verkaufskanal. Nach der Eröffnung der Standorte im malaysischen Kuala Lumpur, im chinesischen Hangzhou und in Ruanda wurde nun in Belgien der nächste Brückenkopf errichtet. Auf einer Fläche von 220 000 Quadratmetern baut der Onlinehändler Alibaba ein gigantisches Logistikzentrum am Flughafen Lüttich. Im ersten Schritt sollen mindestens 75 Millionen Euro in das europäische Drehkreuz investiert werden. Das Ziel lautet: Europäische Mittelständler können und sollen Waren nach China liefern und Produkte aus China sollen nach Europa eingeführt werden. So könnten laut einer Hochrechnung in den kommenden fünf Jahren allein aus Europa Waren im Wert von über 200 Milliarden Euro nach China exportiert werden. Kein Wunder also, dass Alibaba sich dazu bekennt, in der gleichen Zeit mehr als 13 Milliarden Euro in die globale Expansion investieren zu wollen. Neben Lüttich ist beispielsweise ein Versandzentrum in Bulgarien geplant. Auch in Südostasien setzt der Konzern auf eine massive Verbreiterung – und das scheint erst der Anfang zu sein.

Gewaltige Vorteile

Das Besondere dabei ist die globale Vision. Denn gerade für den Export chinesischer Güter würde eine weltumspannende Plattform immense Vorteile bringen. Zusammen mit seinem Logistikdienstleister Cainiao verfolgt Alibaba das Ziel, Bestellungen aus China innerhalb von 24 Stunden und aus an­deren Teilen der Welt innerhalb von 72 Stunden auszuführen. Das bedeutet, dass Pakete weltweit dann nur noch drei Tage vom Produzenten bis zum Käufer benötigen würden. Einige Branchenexperten erwarten, dass Ali­baba in absehbarer Zeit größere Investitionen in Europa tätigen wird. Spekulationen zufolge sollen insbesondere Online-Versandhändler als passende Übernahmekandidaten gelten. Bei der Suche nach einer Anlagealternative könnte sich folglich ein Blick auf den BAT-Index lohnen. Dieser bildet die Kursentwicklung der drei chinesischen Tech-Riesen Baidu, Alibaba und Tencent – also der Pendants zu den US-Giganten Alphabet, Amazon und Facebook – ab.

Technologische Fortschritte

Der Mond hingegen gilt nicht unbedingt als Übernahmekandidat. Ist er doch laut Weltraumvertrag von 1967 zwischen den damaligen Supermächten USA und Sowjetunion „das gemeinsame Erbe der Menschheit“. Dennoch war der Mond dabei behilflich, China in die Sphäre technologischer Superlative zu hieven. China hat als erste Nation eine Sonde auf die Rückseite des Mondes befördert und damit bewiesen, dass es bereits große Fortschritte in der Wissenschaft gemacht hat. Die Ergebnisse der Mission sollen nun der Allgemeinheit zugutekommen und weitere detaillierte Aufschlüsse über den Mond und die Entstehung der Sterne liefern.

Index-Zertifikat AUF BAT-Index
WKN DS8BAT
Name BAT-Index Open End Index Zertifikat
Brief 73,89 EUR
Laufzeit Open End
Quanto
Stand 23.10.2019 15:36:44 Quelle: Deutsche Bank AG

Gute Voraussetzungen

Übrigens, laut dem chinesischen Horoskop haben Selbstlosigkeit und Tugendhaftigkeit einen besonders hohen Stellenwert im Jahr 2019. Der Sage nach sollen die zwölf Tierkreiszeichen entstanden sein, als Buddha alle Tiere zum Neujahrsfest einlud. Jedoch soll nur ein Dutzend Tiere seiner Einladung gefolgt sein. Als Belohnung dafür erhielten sie in der Reihenfolge ihres Erscheinens jeweils die zyklische Aufsicht über ein Jahr. Eigentlich hätte der Büffel als Erster eintreffen sollen, doch die Ratte, die auf seinem Rücken ritt, sprang kurz vor der Ankunft herunter und erschien so vor ihm. Danach folgten Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn und Hund. Als letztes Tier erschien das Schwein, das das Rennen zwischenzeitlich unterbrochen hatte, weil es auf dem Weg eine Süßkartoffel fand und fraß. Wenn das mal keine guten Voraussetzungen für rosige Zeiten sind!

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