Kommentar | 29.01.2019

Tanz ums Goldene Kalb

Dass die Nutzung von Social Media geübt sein will, demonstrierte unlängst der Fußballer Franck Ribéry vom derzeitigen Bundeliga-Zweiten FC Bayern München.

Zunächst postete er auf Instagram ein Bild von sich mit einem von Blattgold im Wert von 1000 Euro umhüllten Steak. Während ich mir eher praktische Fragen stellte, wie zum Beispiel, nach was Blattgold wohl schmeckt und inwieweit dies nach dem Mahl wieder recycelt werden könnte, kam es so, wie es nun mal kommen musste: Ein veritabler Sh**storm ging über Herrn Ribéry nieder, was ein kundiger Beobachter allerdings sicher auch so hätte vorhersehen können. Recht unsouverän dann wiederum die Reaktion Ribérys, die ich aus Gründen des Leserschutzes hier nicht zitieren kann. Vielleicht hat ihm schwer im Magen gelegen, dass er das Gold genau dann verspeiste, als es sich endlich von seiner sommerlich-herbstlichen Schwächephase erholt hatte. Wir erinnern uns: Noch Mitte November hatte der Goldpreis bei 1200 Dollar/Unze gedümpelt. Das ist natürlich für das edelste aller Metalle ein absolut inakzeptables Niveau gewesen, so dass es sich dann auch bis Anfang des Jahres 2019 bis auf knapp 1300 Dollar/Unze nach oben arbeitete. Hierfür gab es zwei, drei Gründe. Zum einen kam Gold als sicherer Hafen wieder in Mode, nachdem es um Weihnachten und Neujahr herum an den Aktienmärkten zu Turbulenzen gekommen war. Zudem schienen genau diese Turbulenzen viele Marktteilnehmer so beeindruckt zu haben, dass sich die Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank recht dramatisch änderten. Waren vor Weihnachten noch für 2019 Zinserhöhungen eingepreist, so waren es danach eher Zinssenkungen. Und es gilt die alte Faustregel: Je niedriger der für Investoren erzielbare „sichere Zins“ ist, desto besser ist dies für den Goldpreis. Zudem sorgen niedrige Leitzinsen in den USA auch für einen eher schwächeren Kurs des Dollar. Eine Menge stützende Faktoren also für den Goldpreis. Wobei stark haussierende Aktienmärkte natürlich bewirken könnten, dass sich einige „Sicherer Hafen“-Investoren wieder aus dem Markt verabschieden. Ansonsten könnte aber auch das goldene Steak des Franck Ribéry im weiteren Verlauf des Jahres durchaus noch ein ganzes Stück teurer werden. 

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