Interview | 29.01.2019

Marrakeschs Botschafterin der Künste

Mit ihrer Biennale verhalf Vanessa Branson Marrakesch zur ­Aufmerksamkeit der internationalen Kunstszene. Im X-press- Interview erklärt sie den Kunstkosmos Marrakesch und nach ­welchen Kriterien sie sich persönlich für ein Kunstwerk ­entscheidet.

X-press: Warum ist Marrakesch bei Sammlern und Künstlern so beliebt?

Vanessa Branson: Marrakesch hat schon immer Künstler inspiriert. Das besondere Licht betont die Kontraste zwischen den erdigen Farben und mystischen Schatten. Der kulturelle Mix zwischen Ost und West und zwischen alten und neuen Zeiten vor der quirligen Kulisse belebter Straßen ist einfach einzigartig.

X-press: Was bewegt Sie dazu, ein bestimmtes Kunstwerk zu erwerben?

Vanessa Branson: Ich bin nicht wirklich sicher, was mich jenseits eines bestimmten Gefühls dazu bringt. Meistens ist es eine Verbindung aus verschiedenen Faktoren: Vertrautheit mit den Werken eines Künstlers und die Erkenntnis, dass das Bild eine einzigartige Stimme hat, ist jedenfalls ein guter Anfang. Es kann aber auch die Faszination für eine bestimmte Idee sein, die sich hinter einem Bild versteckt, oder die unmittelbare Wirkung der Farben. Eine weitere Ermutigung kann aber auch das Wissen sein, dass der Künstler finanzielle Unterstützung benötigt. All diese Faktoren müssen aber damit zusammenfallen, dass man im Moment gerade selbst genug Bargeld zur Verfügung hat.

X-press: Sie haben die Marrakesch-Biennale im Jahr 2004 gegründet. Wie war die Entwicklung seither und was bringt die Zukunft?

Vanessa Branson: Die Biennale war nie ein kommerzielles Unternehmen. Eine Kunstmesse fördert zwar auch die Kreativität, ist aber eine ganz andere Sache. Die Biennale wurde gegründet, um eine Plattform zu haben, auf der wir Ideen über den Weg der Kunst diskutieren konnten. In den zehn Jahren, in den ich an der Spitze der Biennale stand, kam sie zu ihrer internationalen Reputation und hat dazu beigetragen, aus Marrakesch eine internationale Marke der Gegenwartskultur zu machen. Es war dann aber Zeit, das Ruder aus der Hand zu geben. Ohne staatliche Bezuschussung hatte sie leider keine Zukunft. Aber ich sehe trotzdem hoffnungsvoll in die Zukunft. Denn der Geist ist aus der Flasche und es gibt unzählige junge Künstler, die auch weiterhin Ideen verwirklichen möchten. Das Interview führte Jürgen Wenzel

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