Kunstwelten | 14.12.2018

Doha – globaler Kunsthotspot in Tausendundeiner Nacht

Das kleine Emirat Katar liegt an der Ostküste der Arabischen Halbinsel. Das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt bereitet sich gerade auf das infrastrukturelle Megaprojekt 2022 FIFA World Cup vor. Doch im Schatten dieses Großereignisses hat sich Katars Hauptstadt Doha in den letzten Jahren zu einem Hotspot für die Kunstwelt entwickelt.

Zum vorletzten Jahreswechsel präsentierte Katar im Kraftwerk Berlin die größte Schau zeitgenössischer Kunst aus dem Emirat, die jemals in Deutschland gezeigt wurde. Sie war ein Höhepunkt des deutsch-katarischen Kulturjahres 2017. Mit Festivals, Veranstaltungen und Ausstellungen förderte die katarische Initiative das gegenseitige Verstehen der auch wirtschaftlich eng verbundenen Länder. Diese beeindruckende Schau war aus deutscher Perspektive die erste große Präsentation der aufblühenden Kulturszene Katars.

Interview

Aus dem Blick des Falken

Das Mondrian Doha wurde mit seiner spektakulären Falken-Architektur und seinem großzügigen Innendesign schnell zum Lieblingshotel der besseren Gesellschaft von Doha. Viel Raum ist in diesem neuen Hotel Kunstinstallationen gewidmet. Das trifft den Zeitgeist eines Landes, in dem sich gerade eine dynamische Kunst- und Kulturszene entwickelt. X-press traf den General Manager des Mondrian Doha, Axel Gasser, zum Gespräch.

Axel Gasser

Eine zehn Monate später angetretene Reise nach Doha brachte Aufklärung. Auf dem Weg zum Hotel am frühen Morgen reflektiert die Sonne in der verspiegelten Skyline der Stadt. In diesem Moment wirkt Doha wie eine Art Manhattan aus Tausendundeiner Nacht. Baustellen, wohin das Auge blickt, Dynamik pur.

Das Taxi passiert eines der größten Bauprojekte des Landes, das sich gerade in der letzten Phase der Fertigstellung befindet: das Nationalmuseum. Der französische Architekt Jean Nouvel ließ sich bei dem spektakulären Design von einer Wüstenrose inspirieren. Dieses filigrane Bauwerk wird das größte Museum der Welt beherbergen – und das insgesamt zehnte Museum in Doha sein, wenn es im Frühjahr eröffnet. Drei weitere Museen sind aber schon in Planung.

Das Emirat hat sich in kürzester Zeit zu einer „global art destination“ entwickelt. Als Vorsteherin der Museen in Doha hat die Schwester des Emirs, Al-Mayasa bint Hamad bin Khalifa Al Thani, den größten Anteil an dieser Entwicklung. Spektakuläre Akquisitionen gehen auf sie zurück – wie die von Paul Cézannes „Kartenspielern“ für 160 Millionen Pfund oder von elf Gemälden Mark Rothkos für 310 Millionen Pfund. Aber für Katar geht es nicht nur um den Erwerb von Kunstwerken weltberühmter Maler, sondern vor allem auch um die Darstellung der eigenen Identität. Die Schaffung einer Plattform für lokale Künstler gehört dazu. Gerade wegen dieser gezielten Förderung konnte sich in Katar so schnell eine neue Heimat für Kunst aus der ganzen Welt entwickeln. Denn das wohlhabende Land ist dabei, sich selbst zu entdecken, und hat das Thema „Kunst“ als einen der Wege zur Selbstfindung gewählt.

Ein Beispiel dafür ist auch das Museum für Islamische Kunst, das sich in den letzten zehn Jahren als das Zentrum schlechthin für historische islamische Kunstwerke etabliert hat. Der vom I. M. Pei errichtete Bau thront eindrucksvoll über der Bucht von Doha und beherbergt neben Kunstschätzen aus der gesamten islamischen Welt auch noch ein Sternerestaurant von Alain Ducasse.

Einige der Erwerbungen, die hier ausgestellt sind, gingen mit Rekordpreisen in die Auktionsgeschichte ein, wie zum Beispiel der mamlukische Kerzenständer aus dem 14. Jahrhundert, der bei Sotheby’s 4,5 Millionen Pfund erzielte, und ein Emailglasbecher für 1,5 Millionen Pfund. Seit 2017 verantwortet die Berlinerin Julia Gonnella eine Neustrukturierung und Neusortierung der Sammlung. Die neue Direktorin und frühere Kuratorin des Museums für Islamische Kunst gilt als Kunst- und Archäologieexpertin für die islamische Welt. Julia Gonella: „Es ist für mich eine große Ehre, dieses Museum, das eines der größten der Welt ist, zu leiten.“

Eine erste Adresse für moderne Kunst in Doha ist das Mathaf – Arab Museum of Modern Art. Über 6300 Werke – die frühesten reichen bis in das Jahr 1849 zurück – sind hier auf einer Fläche von 5500 Quadratmetern zu sehen. Das Mathaf verfügt nicht nur über eine ständig anwachsende Bibliothek, sondern veranstaltet auch sehr gefragte internationale Seminare, Konferenzen und Workshops. Die Grundlage für das Museum schuf Scheich Hassan bin Mohamed bin Ali Al-Thani, der seit Mitte der 1980er Jahre eine eigene Kunstsammlung aufbaute. Seine Sammlung mit über 6000 Werken aus dem Libanon, Syrien, Ägypten und dem Irak überführte er zunächst in ein eigenes Museum. 2004 stellte er sie der Qatar Foundation zur Verfügung. Seit 2010 ist sie nun im Mathaf zu sehen und wurde zur Keimzelle von Galerien, Ausstellungen, Kunstevents – und zur Quelle der Begeisterung für Kunst im Allgemeinen in Katar.

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