Marktausblick Japan | 28.06.2019

Ende der Ruhephase?

Längst ist die jahrhundertelange Abkapselung Nippons Vergangenheit. Seit der Nachkriegszeit hat Japan der weltweiten Expansion seiner Unternehmen großes wirtschaftliches Wachstum zu verdanken. Das X-press-Team zeigt auf, wo es derzeit kriselt und wann die Chancen überwiegen.

Mit seiner jahrhundertealten Tradition und seinem kulturellen Reichtum übt Japan seit jeher eine starke Faszination auf viele Menschen aus und hat deutlich mehr zu bieten als Kirschblüten, grünen Tee, Sushi-Genuss, Sumo-Kämpfe und Manga-Comics. Als hoch technologisierte Industrienation vereint Nippon die architektonische Wunderwelt der Moderne mit dem Traditionsbewusstsein und bietet unvergleichliche, faszinierende Panoramen. Das Land entlang der Ostküste Asiens ist ein Inselbogen und besteht überwiegend aus vier Hauptinseln: beginnend mit der Insel Hokkaido im Norden und der Stadt Sapporo, die die Olympischen Winterspiele 1972 austrug, über das größte Eiland Honshu mit der Hauptstadt Tokio und der Stadt Fukushima, bis hin zu den beiden Inseln Shikoku und Kyushu mit der Stadt Nagasaki, die im August 1945 traurige Berühmtheit erlangte. Zusammen mit den 6848 weiteren kleinen und kleinsten Inseln ist Japan flächenmäßig der viertgrößte Inselstaat der Welt.

Globaler Einfluss

Trotz des konjunkturellen Aufstiegs seiner asiatischen Nachbarländer ist Japan, das viele Jahre die weltweit zweitgrößte Wirtschaftskraft hinter den Vereinigten Staaten war, eine Wirtschafts- und Kulturmacht mit erheblichem regionalen und globalen Einfluss geblieben. Nicht ohne Grund hob die japanische Regierung als Gastgeber des diesjährigen G20-Gipfels Ende Juni in Osaka unter anderem die nachhaltige Entwicklung und grüne Infrastruktur als Kernthemen beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer hervor. Denn gerade auf diesen Gebieten besteht ein enormer Nachholbedarf. Erst vor Kurzem legten Forscher der japanischen Wetterbehörde besorgniserregende Ergebnisse zu der dramatischen Hitzewelle vor, mit der das ostasiatische Land im vergangenen Sommer zu kämpfen hatte. „Die Naturkatastrophe hätte ohne den menschengemachten Klimawandel nicht stattfinden können“, so das Ergebnis der Studie. Mit dem Partnerstaat USA und seinem Präsidenten Donald Trump wurde die Veröffentlichung dieses Forschungsergebnisses vermutlich nicht abgesprochen. Schließlich waren in der Vergangenheit häufig getwitterte Präsidenten-Kommentare zu vernehmen, die den Klimawandel als eine Erfindung der Chinesen titulierten, die das Ziel habe, den USA zu schaden. Mehr denn je stellt sich die Frage, ob derartige Schmähungen heute noch ernst zu nehmen sind.

Japanische Gastfreundschaft

Denn in Wahrheit stehen Japan und seine Wirtschaft erheblichen Klimarisiken wie Überschwemmungen, Hitzewellen, der Anstieg des Meeresspiegels und die Versauerung der Ozeane gegenüber. Angesichts der Tatsache, dass Osaka und Tokio zu den Städten gehören, die den Risiken des Meeresspiegelanstiegs am stärksten ausgesetzt sind, dürften gerade der japanischen Bevölkerung Trumps Aussagen Ende Januar ebenfalls nicht ­gefallen haben. Hier spottete der Präsident via Twitter anlässlich der eisigen Temperaturen im Mittleren Westen der USA: „Es wäre nicht schlecht, jetzt gerade mal wieder etwas von der guten alten Erderwärmung zu haben.“ Passend dazu sagte Trump ungeachtet des Faktums, dass die USA zu den größten CO2-Verursachern weltweit gehören, in einem Interview im Juni: „Die Vereinigten Staaten haben im Augenblick auf der Basis aller Statistiken eines der saubersten Klimata, die es gibt, und es wird sogar noch besser.“ Bei einem derartigen Populismus war an dieser Stelle vermutlich jeglicher Kommentar von japanischer Seite unnötig. Denn laut einer Studie müssen in Tokio bis zum Jahr 2070 möglicherweise 2,5 Millionen Menschen umquartiert werden. Schon allein ein Anstieg des Meeresspiegels von nur 50 Zentimetern wird Japans Vorzeigestadt, in deren Ballungsgebiet 38 Millionen Menschen leben, mehr als 1,2 Billionen Euro kosten. Zumindest nach außen ließ sich das gastfreundliche Japan nichts anmerken. Vielmehr nutzte Ministerpräsident Shinzo Abe den kürzlichen Trump-Besuch, um mit seinem Rahmenprogramm die besondere Beziehung seines Landes zu den USA zu unterstreichen, obwohl Japan wie viele andere Länder, derzeit intensive Gespräche über diverse Handelsschwierigkeiten führt.

Faire Handelsbeziehungen

Schon Ende September 2018 hatten sich Japan und die USA auf Verhandlungen über eine Neuordnung der Handelsbeziehungen verständigt, nachdem der US-Präsident mehrmals auch die Bedingungen des Handels mit Japan anprangert hatte. Insbesondere Trumps Androhungen von Strafzöllen auf Importe von Fahrzeugen belasteten die engen Beziehungen beider Länder. Auch zum Auftakt seines viertägigen Staatsbesuchs in Japan Ende Mai forderte Trump fairere Handelsbeziehungen. Schließlich habe Japan jahrelang einen „substanziellen Vorteil“ genossen. Doch erst nach den japanischen Oberhauswahlen im Juli ist, so der US-Präsident, ein Durchbruch in den Handelsgesprächen zwischen beiden Ländern zu erwarten.

Nikkei Topix Vergleich

Ansehnlicher Aktienmarkt

Während sich der japanische Leitindex Nikkei 225 und der wesentlich breiter gefasste TOPIX von der Verhandlungsankündigung im letzten September anfangs noch unbeeindruckt zeigten, führten die Äußerungen des US-Präsidenten zu den Handelskonflikten der USA nach und nach zu größeren Verunsicherungen am japanischen Aktienmarkt und schickten die beiden Indizes bis Ende 2018 vorübergehend auf Talfahrt. Doch die in der Folge veröffentlichten unerwartet guten japanischen Konjunkturdaten – das Bruttoinlandsprodukt belief sich im ersten Quartal dank höherer Kapitalausgaben auf das Jahr hochgerechnet auf 2,2 Prozent – verhalfen der Tokioter Börse zu Kursgewinnen. Zwangen die Unsicherheiten am Aktienmarkt den Nikkei im Jahr 2018 noch mit Verlusten in Höhe von 12,4 Prozent in die Knie, konnte das Leitbarometer in 2019 mehr als 5,5 Prozent zulegen. Auch im langfristigen Fünf-Jahres-Rückblick macht der Nikkei mit einem Zuwachs von beinahe 40 Prozent eine mehr als passable Figur. Ähnlich erging es dem TOPIX, auch wenn die Fünf-Jahres-Performance lediglich mit einem Plus von 25,5 Prozent aufwartet. Anleger, die am Aktienmarkt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt partizipieren möchten, können dies zum Beispiel mit den Zertifikaten der Deutschen Bank tun. Neben einer Vielzahl an Bonus- und Discount-Zertifikaten sowie Optionsscheinen und WAVEs bietet X-markets auch einige sehr interessante Index-Zertifikate an. Weitere Informationen unter www.xmarkets.de.

Auf einen Blick

WKN Name Brief Laufzeit Quanto
709338 Nikkei 225 Open End Index Zertifikat 17,80 EUR Open End
709337 TOPIX Index Open End Index Zertifikat 12,95 EUR Open End
Stand 15.07.2019 21:59:55 Quelle: Deutsche Bank AG

Unternehmen mit Potenzial

Auch wenn die japanische Wirtschaft zu Beginn des Jahres wachsen konnte, hat sie durch die Konjunkturflaute beim wichtigen Handelspartner China leiden müssen. Obwohl die Binnenwirtschaft recht stabil ist, bergen ein geringer Export und das schwache verarbeitende Gewerbe Risiken. Dennoch soll es im Land der aufegehnden Sonne nach Meinung diverser Analysten nach wie vor eine große Anzahl von Unternehmen geben, die langfristige Wachstumsaussichten haben. Darüber hinaus könne Japan von einer Einigung im Handelskrieg zwischen China und den USA überaus stark profitieren. Vielleicht ist daher nun für Nippon die Zeit gekommen, die sogenannten ESG-Faktoren – Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – bei Investitionsentscheidungen stärker zu berücksichtigen, wie in Europa mittlerweile üblich, und entsprechende Anreize zu schaffen. Doch trotz seiner großen Bedeutung für das globale Finanzsystem dominieren nach wie vor inländische Akteure den japanischen Finanzsektor. Auch dies könnte ein Grund dafür sein, dass viele japanische Unternehmen und Investoren bis heute kaum internationalen Druck in Sachen ESG erfahren haben. Doch das könnte sich bald ändern – wodurch sich Chancen für Anleger eröffnen.

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