Konzerne vor dem Führungswechsel | 28.06.2019

Neue Besen kehren gut

Bei den drei Börsenriesen Alibaba, Daimler und Sanofi stehen aktuell ­Führungswechsel an. Oft bringt ein neuer Chef frischen Wind in das ­Unternehmen und in vielen Fällen hat dies auch positiven Einfluss auf den Börsenwert. Für Privatanleger könnte es sich darum gerade dann lohnen, ein Investment in Erwägung zu ziehen.

Der Abschied von Dieter Zetsche nach 13 Jahren als Daimler-Chef rührt selbst die Konkurrenz. Wettbewerber BMW hat eigens zu diesem Anlass ein emotionales Werbevideo produziert, welches den letzten Tag des international hochgeschätzten Firmenlenkers abbilden soll. Am Ende des Films zu Hause angekommen, verlässt der Zetsche-Doppelgänger dann zum letzten Mal seinen vom Chauffeur gelenkten Mercedes-Firmenwagen und entschwindet in seiner Garage, um kurz danach mit einem offenen BMW i8 Roadster davonzubrausen. Darunter der Schriftzug „Endlich frei“ und anschließend: „Danke, Dieter Zetsche, für so viele Jahre inspirierenden Wettbewerbs.“ Die Stuttgarter nahmen es amüsiert auf und bedankten sich per Twitter für den augenzwinkernden Abschiedsgruß. Wechsel an der obersten Spitze von großen Konzernen sind immer etwas ganz Besonderes. Schließlich führten die Chefs Tausende von Menschen und waren für Entscheidungen in Millionen- oder gar in Milliarden-Höhe verantwortlich.

Daimlers junger Schwede

Der neue Mann am Lenker von Daimler heißt Ola Källenius. Der 50-jährige gebürtige Schwede hat Anfang Juni die Führung des Unternehmens übernommen. Källenius erwarten allerdings keine einfache Zeiten: Auf der einen Seite muss er sparen und bei den Zahlen eine Trendwende herbeiführen, auf der anderen Seite soll er das Image der Marke Mercedes aufpolieren und muss dafür kräftig in die Zukunft investieren. Der operative Gewinn ging im ersten Quartal dieses Jahres um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,8 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz stagnierte im ersten Quartal mit 39,7 Milliarden Euro in etwa auf Vorjahresniveau. Der Erwartungsdruck auf Källenius ist somit groß. Die Daimler-Aktionäre hoffen ebenfalls, dass der neue Chef dem Aktienkurs frische Impulse geben und für eine nachhaltige Trendumkehr sorgen kann. Aktuell hat die Aktie der Stuttgarter ihre Erholungsversuche erst einmal unterbrochen.

Daimler mit 24,17 % Discount
WKN DC5JCT
Name Daimler AG Discount-Zertifikat
Brief 36,48 EUR
Cap 38,00
Laufzeit 17.09.2020
Stand 22.09.2019 18:26:42 Quelle: Deutsche Bank AG

Sanofi mit neuer führung

Auch der französische Pharmakonzern Sanofi bekommt einen neuen Chef. Am 1. September wird der Brite Paul Hudson den bisherigen Boss Olivier Brandicourt ablösen, der in den Ruhestand gehen wird. Der 51-Jährige Hudson war zuletzt Chef der Pharmasparte von Novartis und Mitglied des Managements des Schweizer Biotechnologie- und Arzneimittelriesen. Erst 2016 hatte er vom schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca zu Novartis gewechselt. Die Hauptaufgabe Hudsons wird darin bestehen, die Produkt-Pipeline des französischen Pharmakonzerns auszubauen und den Konzern wieder auf Wachstum zu trimmen. In seinen drei Jahren bei Novartis hat Hudson aus Sicht vieler Experten eine hervorragende Leistung abgeliefert und konnte die Unternehmens­entwicklung vorantreiben. Unter anderem durch erfolgreiche Produkteinführungen in Bereichen wie Gentherapie und Immunologie verbesserte er die Perspektiven des Schweizer Konzerns deutlich.

Sanofi mit 12,62 % Discount
WKN DC5R2Z
Name Sanofi S.A. Discount-Zertifikat
Brief 70,00 EUR
Cap 72,00
Laufzeit 17.09.2020
Stand 22.09.2019 18:26:42 Quelle: Deutsche Bank AG

Der Kapitalmarkt reagierte entsprechend positiv auf die Berufung des Briten auf den Sanofi-Chefsessel. Die Aktie der Franzosen legte auf die Meldung hin zunächst um fast vier Prozent zu, musste die Gewinne allerdings an den darauffolgenden Tagen wieder abgeben. Weltweit beschäftigt Sanofi mehr als 100 000 Mitarbeiter, alleine in Deutschland sind es rund 9 000 Beschäftigte an vier Standorten. Über 15 000 Mitarbeiter auf drei Kontinenten erforschen und entwickeln neue Medikamente und Impfstoffe – das Unternehmen hat dafür 5,9 Mrd. Euro im Jahr 2018 investiert. Laut Unternehmensangaben sollen die jährlichen Inves­titionen bis 2021 auf 6 Mrd. Euro erhöht werden. Im ersten Quartal konnte Sanofi die Erwartungen der Analysten übertreffen. Die Erlöse sind von Januar bis März im Jahresvergleich um 6,2 Prozent auf knapp 8,4 Mrd. Euro gestiegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Wechselkurseffekte bereits für einen positiven Effekt von zwei Prozentpunkten sorgten.

ALibaba mit 13,75 % Discount
WKN DC5TBX
Name Alibaba Group Holding Ltd. (ADR) Discount-Zertifikat
Brief 138,80 EUR
Cap 170,00
Laufzeit 17.09.2020
Quanto
Stand 22.09.2019 18:26:42 Quelle: Deutsche Bank AG

Alibaba-Gründer Jack Ma tritt ab

Beim chinesischen Internetgiganten Alibaba soll es ebenfalls im September einen Führungswechsel geben. Der Unternehmensgründer Jack Ma will dann das Zepter an Yong „Daniel“ Zhang weiterreichen. Der gebürtige Schanghaier Zhang studierte an der Shanghai University of Finance and Economics und arbeitete danach bei der Unternehmensberatung PwC und dem Online-Gaming-Unternehmen Shanda. 2007 stieg er als Finanzchef bei der Alibaba-Tochter Taobao ein. Danach kletterte Zhang unentwegt die Karriereleiter hoch – bis zum Posten des CEO. Nun soll er im September den Thron des Vorsitzenden des Verwaltungsrats besteigen. Aktuell brummt das Geschäft bei Alibaba. Der Umsatz der Chinesen stieg im letzten Quartal um 28,41 Prozent auf 13,61 Mrd. Dollar. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich nach 90 Cent im Vorjahresviertel nun auf 1,25 Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Ergebnis je Aktie in Höhe von 5,59 Dollar prognostiziert und der Jahresumsatz mit 54,84 Mrd. Dollar beziffert. Letztes Jahr waren es noch 39,36 Mrd. Dollar gewesen. Zhang bekommt somit ein Unternehmen im besten Zustand von seinem Vorgänger Ma übergeben. Nichtsdestotrotz warten auch auf ihn jede Menge Herausforderungen. Beispielsweise steht die weitere Internationalisierung ganz oben auf seiner Aufgabenliste. Denn momentan erwirtschaftet der chinesische Onlinegigant den Löwenanteil seines Geschäfts noch in Asien. Künftig will Alibaba jedoch globaler agieren und bis 2036 rund 2 Milliarden Kunden überall auf der Welt erreichen. Dafür wird das Unternehmen zunehmend auch in Europa aktiv: Zu Beginn dieses Jahres kaufte es erstmals eine Firma in Deutschland, nämlich das Berliner Start-up Data Artisans für rund 90 Mio. Euro. Der Grund für Alibabas Engagement ist schnell erklärt: Data Artisans hat eine Technik entwickelt, die das sogenannte Stream Processing ermöglicht. Dadurch können Daten nicht erst dann analysiert werden, wenn sie gespeichert wurden, sondern bereits während sie eingegeben werden. Für einen Onlineshop wie Alibaba eröffnet das außerordentlich interessante Möglichkeiten: Postet zum Beispiel jemand etwas in einem der zahlreichen sozialen Netzwerke, wird der Inhalt des Posts unmittelbar ausgewertet und dem Verfasser kann sofort zum Beitrag passende Werbung zugespielt werden. Damit ist die Technik hervorragend geeignet, um auf Alibabas Webseiten noch gezielter auf Kundenfang zu gehen.

Alibaba Chart

günstig positionieren

Bei allen drei Unternehmen – Daimler, Sanofi und Alibaba – könnte es die neue Führung schaffen, weitere Wachstumsimpulse zu setzen. Die Vorbedingungen sind bei allen sehr gut, wenn auch Risiken wie die allgemeinen Probleme des Automobilsektors für Daimler oder beispielsweise potenzielle kulturelle Schwierigkeiten bei der Internationalisierung von Alibaba den Chancen gegenüberstehen. Anlegern, die sich bereits jetzt für kommende Veränderungen positionieren möchten, stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung. Mit den in den Tabellen aufgeführten Discount-Zertifikaten investieren sie mit einem Preisabschlag gegenüber dem aktuellen Börsenkurs in die jeweilige Aktie. Als Ausgleich für diesen Rabatt ist die maximale Gewinnchance des Discount-Zertifikats durch einen Höchstbetrag (Cap) begrenzt. Daneben gilt: Je niedriger dieser Höchstbetrag gewählt wird, desto höher der Discount. Der Discount schützt Anleger in einem bestimmten Umfang gegen Kursverluste der Aktie und ermöglicht dadurch positive Renditen bereits bei seitwärts tendierenden und sogar bei leicht fallenden Kursen. Weitere Discount-Zertifi­kate gibt es unter www.xmarkets.de.

Tags

X-press Magazin © 2019