Kunstwelten: Johannesburg | 28.06.2019

Die Kunstblüte von Johannesburg

Bis zum Jahr 2040 soll Johannesburg über die meisten Straßenkunstwerke der Welt verfügen. Schon heute ist die südafrikanische Metropole ein Hotspot der globalen Kunstszene.

Interview

„Wir haben alleine in diesem Jahr noch drei wichtige Kunstmessen“

Kunst aus Johannesburg fasziniert die internationale Kunstwelt. Seit über 40 Jahren begleitet der Kunsthändler und Herausgeber David Krut als Akteur und Beobachter die besonders bunte Kunstszene der Millionenmetropole. Im X-press-Interview verrät Krut, welche Höhepunkte in diesem Jahr noch zu erwarten sind.

David Krut

Johannesburg ist immer in Bewegung. Früher bestimmte der Goldabbau den Rhythmus der Stadt, heute übt sie auf Künstler wie Kunstfreunde große Anziehungskraft aus. Die Stadt im Herzen der größten Metropolregion Südafrikas erfindet sich gerade neu. Für viele Afrikareisende war Johannesburg oft nur Durchgangsstation auf dem Weg nach Kapstadt, zum Kruger-Nationalpark oder ins Weinparadies Stellenbosch. Doch eine vibrierende Kunstszene ist der Grund dafür, dass die 1-Million-Einwohner-Metropole nun selbst mehr und mehr zur attraktiven touristischen Destination wird. Großen Anteil an dieser Entwicklung hat die Stadtverwaltung, die im Jahr 2007 damit begonnen hat, Kunstinstallationen im öffentlichen Raum zu fördern. Seitdem investiert die Abteilung für Stadtentwicklung ein Prozent ihres Jahresbudgets in Kunstwerke. Dem Ziel, bis 2040 über die meisten Straßenkunstwerke der Welt zu verfügen, ist man schon jetzt ein gutes Stück näher gekommen. Die von der Stadt ausgerufene „Public Art Policy“ ist jedenfalls für die Bürger mehr als bloße nach außen getragene Kreativität oder Imagepflege. Sie spiegelt ihr optimistisches Lebensgefühl wider und hat urbanen Wohngegenden zu neuem Charme verholfen. Ein Spaziergang, der Weg zum Einkaufen oder zur Arbeit ist für die Johannesburger durch die vielen Kunstwerke ein Erlebnis, für Touristen ein Bummel durch die Innenstadt sowieso. Hauswände, Brücken und Fassaden wurden zu Ausstellungsflächen für haushohe Graffiti, Mosaiken, Malereien oder Installationen. Viele der Werke haben einen Bezug zu historischen Situationen oder zur Alltagswirklichkeit in Johannesburg.

Eine ganz spezielle Graffiti-Galerie liegt an der Autobahnbrücke des Highways M1. Hier finden sich nicht nur sehr ausgefallene und witzige, sondern auch nachdenkliche Werke. Graffiti des Szene-Avantgardisten Falco sind hier ebenso zu sehen wie ein XXL-Werk des US-amerikanischen Street-Art-Künstlers und Designers Shepard Fairey. Es zeigt über die gesamte Fläche einer Hauswand den südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela. Spektakulär ist auch eine den vielen Straßenverkäuferinnen von Johannesburg gewidmete Arbeit: William Kentridge und Gerhard Marx zauberten die zehn Meter hohe Figur „Fire Walker“ am Fuß der Queen Elizabeth Bridge.

Weitere berühmte Werke sind das goldene Mapungubwe-Nashorn in der Main Street, die Statue „Courage“ von Richard John Forbes oder die Büste der populären südafrikanischen Sängerin Brenda Fassie in der Vorstadt Newtown. Wer sich intensiver mit der sich ständig wandelnden Straßenkunst Johannesburgs auseinandersetzen will, bucht am besten eine der Touren, die sich darauf spezialisiert haben. So bieten zum Beispiel „Afro Centric Jo’burg Art Tours“ und „Past Experience“ Entdeckungstouren an, bei denen man zu Fuß die Hotspots der lokalen Kunstszene in Augenschein nehmen kann. Am eindrucksvollsten hat sich die positive Wirkung von Kunst auf triste Urbanität im neuen In-Viertel Maboneng bemerkbar gemacht. Die Innenstadt von Johannesburg war früher teilweise eine berüchtigte No-go-Area. Ihr Niedergang begann in den 1990er Jahren, als sich Geschäfte und Unternehmen von dort in die Randbezirke der Stadt zurückzogen. In leer stehende Gebäude zogen Obdachlose ein, der ganze Bezirk wurde von einer Kriminalitätswelle erfasst. 2008 gelang es dem Unternehmer Jonathan Liebmann, diese ruinöse Entwicklung zu stoppen, indem er damit begann, leer stehende Häuser zwischen den Vierteln Jeppestown und Doornfontein aufzukaufen.

Liebmann erschuf sich damit einen eigenen kleinen (Kunst-)Bezirk und nannte ihn Maboneng („Ort des Lichts“). Hier etablierte er „Arts on Main“, ein Zentrum für Kreative jeder Couleur, die neue Heimat von Geschäften, Cafés, Apartments – und vor allem kleiner Kunstgalerien. Einer der ersten, die dem Ruf folgten, war David Durbach. Der DJ und Inhaber eines Plattenladens: „Ich wollte nicht mehr in den klassischen Vierteln wohnen, getrennt nach Herkunft und Einkommen. Ich habe einen Ort gesucht, an dem die unterschiedlichsten Menschen gut zusammenleben.“

Der Kreativität, die diese Menschen hier inspiriert, kann man am besten in einer der Kunstgalerien nachspüren. Unbedingt sollten Interessierte aber auch dem Wits Art Museum im Stadtteil Braamfontein einen Besuch abstatten. Seine Ausstellungen widmen sich der Kunst des gesamten Kontinents und zeigen die breite Palette seiner Stile. Auch ein Landausflug zum nahe gelegenen Kruger-Nationalpark lässt sich mit dem Besuch einer bemerkenswerten Kunstschau verbinden: Im neuen Safarihotel „The Farmstead“ der The-Royal-Portfolio-Gruppe ist eine umfangreiche Privatsammlung mit Werken von Kudzanai Chiurai und James Jana vor einzigartiger Kulisse zu genießen.

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