Versandhandel im Wandel | 24.05.2019

Bestellt > Verpackt > Geliefert

Die Zeiten, in denen umfangreiche Kataloge wie die von Quelle oder Neckermann Papier gewordene Verbraucherträume waren, sind längst vorbei. Stattdessen brummt das Versandgeschäft bei Amazon, Zalando, Alibaba & Co. wie nie zuvor. Neben Preis und Angebot werden Lieferfähigkeit und -schnelligkeit immer wichtiger. Um das zunehmende Paketaufkommen effizient bewältigen zu können, sind innovative und ungewöhnliche Logistik- lösungen – beispielsweise Lieferungen per Drohne – gefragt.

Zu den Pionieren der Drohnenlieferung gehört der Versandriese Amazon. Das ist kaum überraschend, denn das Onlinewarenhaus bietet aktuell eine ganze Reihe unterschiedlicher Lieferkonzepte. Bereits 2013 äußerte Jeff Bezos in einem Interview, dass er binnen fünf Jahren Drohnenlieferungen für möglich halte. Das hat zwar nicht geklappt, am Ziel der Lieferung von Bestellungen per Drohne hält Amazon dennoch fest: „Unser Ziel ist, Pakete mit Drohnen innerhalb von 30 Minuten oder schneller zu liefern“, betonte eine Unternehmenssprecherin. Einen Namen für den Service gibt es natürlich auch: Amazon Prime Air. Das erste Paket lieferte Amazon Prime Air am 7. Dezember 2016 aus: Nur 13 Minuten nach Aufgabe der Bestellung hielt Richard B. im englischen Cambridgeshire seine von einer Drohne im Garten abgelegte Bestellung – natürlich ein Gerät von Amazon – in Händen. Der Werbefilm, den Amazon dazu auf seine Website gestellt hat, zeigt eindrucksvoll, wo Drohnen ihre Vorteile ausspielen können, denn Richard B. lebt in einem abgelegenen Haus inmitten von Feldern. Eine Lieferung per Fahrzeug wäre wohl deutlich aufwendiger und zeitraubender gewesen – möglicherweise hätte der Paketbote einen langen Umweg fahren müssen, um Herrn B.s Haus zu erreichen. Bezos’ Maxime, Prozesse aus der Kundenperspektive zu betrachten und entsprechend zu optimieren, könnte hier ein ebenso lukratives wie innovatives Anwendungsfeld finden.

Discount-Zertifikat auf Alphabet
WKN DC0Q83
Name Alphabet Inc. Class C Discount-Zertifikat
Brief 916,27 EUR
Cap 1060,00
Laufzeit 18.06.2020
Quanto
Stand 22.09.2019 18:06:10 Quelle: Deutsche Bank AG

Regelbetrieb in australien

Wing, eine erst im Juli 2018 vom Projekt zum Unternehmen beförderte Tochtergesellschaft der Google-Mutter Alphabet, ist da bereits etwas weiter und hat nach fünfjähriger Testphase mit 70 000 Testflügen Anfang April den Regelbetrieb aufgenommen. Allerdings in sehr limitiertem Umfang, denn aktuell werden lediglich einige Haushalte in drei nördlichen Stadteilen der australischen Hauptstadt Canberra bedient. Anders als Amazon versteht sich Wing als reiner Transportdienstleister. Wird eine Bestellung über die App von Wing aufgegeben, verpackt der Lieferant die bestellte Ware und fordert bei Wing eine Lieferdrohne an. Diese fliegt dann zum Abholort, schwebt in einer Höhe von bis zu sieben Metern über dem Übergabepunkt und lässt per Seilwinde eine Leine herab, an die dann das Paket gehängt werden kann. Mit ihrer Ladung fliegt sie dann zum Wohnort des Kunden, wo sie, wiederum in sicherer Höhe schwebend, das Paket mit der Bestellung herablässt, um schließlich zu ihrer Ladestation zurückzukehren. Entlang dieser Lieferkette gibt es natürlich zahleiche Stellen, an denen etwas schiefgehen kann. Viele Dinge müssen zusammenspielen, damit es zu einem reibungslosen Lieferablauf kommt. Dass es Wing aber mit einer schnellen Lieferung ernst meint, zeigen die teilnehmenden Lieferanten, zu denen eine Apotheke, aber auch mehrere Essenslieferdienste gehören, darunter eine Eisdiele. Ihren größten Trumpf kann die Drohnentechnik sicherlich bei der schnellen Lieferung von – mög­licherweise lebensrettenden – Medikamenten ausspielen. Zwar gibt es sogar in Deutschland Apotheken, die einen Lieferservice anbieten, aber der bewegt sich selbst in Innenstädten eben meist per Pkw – und damit immer häufiger von Stau zu Stau – und verursacht neben verstopften Straßen auch, anders als die elektrisch angetriebenen Drohnen, jede Menge CO2-Emissionen. In den kommenden Monaten will Wing weitere Stadtteile Canberras beliefern und noch im Frühjahr den Regelbetrieb in Helsinki aufnehmen. Die finnische Hauptstadt mit ihren teils harschen Wetterbedingungen soll offenbar eine Art Lackmustest für Wing darstellen: „Bei allem, was wir über das Winterwetter in Finnland wissen, sind wir ziemlich zuversichtlich, dass unsere Drohnen, wenn sie hier liefern können, überall liefern können.“ Daneben gibt es zwei Versuchsprojekte in den USA. Ende April folgte die Zulassung durch die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA. Auch wenn die Technik schon weit ist, gibt es noch zahlreiche datenschutzrechtliche Probleme, die gelöst werden müssen, bevor hierzulande der Himmel voller Drohnen hängt.

Alphabet

ständige optimierung nötig

Viel wird davon abhängen, dass die einzelnen Schritte der Lieferkette automatisiert ablaufen. Sinnvoll kann eine Drohnenzustellung ohnehin nur für die „letzte Meile“, also den Schritt direkt vor der Zustellung zum Kunden sein, denn sowohl von der Reichweite als auch von der Tragfähigkeit her sind Drohnen beschränkt. Der im Technikkaufhaus bestellte Riesen-TV wird wohl auch in Zukunft von der Spedition geliefert werden und auch Waschmaschinen und Kühlschränke werden kaum per Luftfracht einschweben. Dass das Produkt – wie im Werbefilm von Amazon – direkt und ohne Zwischenschritte vom Warenlager zum Kunden geflogen wird, wird ohnehin wohl eher die Ausnahme als die Regel sein. Sicher ist, dass die Logistikkette deutlich flexibler werden muss. Um, wie von Amazon angestrebt, Lieferzeiten von unter 30 Minuten realisieren zu können – wenn auch nur für bestimmte Artikel und in bestimmten Regionen –, müssen Lieferprozesse jederzeit flexibel und in Echtzeit für jeden einzelnen Artikel und jede Strecke optimiert werden.

garage oder kofferraum?

Auch auf dem Boden gibt es genügend Optimierungsbedarf: Um ihre Zustellquote zu erhöhen, lassen Paketboten in den USA die Pakete oftmals einfach vor der Haustür liegen, wo sie den Unbilden des Wetters ausgesetzt sind. Amazon hat das Problem erkannt und bietet seinen Kunden in bislang 50 Städten eine Garagenlieferung an. Per App können die Zusteller die Garage des Kunden öffnen und dort das Paket sicher und geschützt ablegen. Voraussetzung ist ein spezielles automatisches Garagentor. Weil der Liefervorgang gefilmt und ein Video dem Besteller aufs Smartphone geschickt wird, entfällt sogar eine langwierige Suche nach der Bestellung nach der Rückkehr nach Hause. Auch wer keine entsprechend ausgestattete Garage hat, geht nicht leer aus, denn alternativ kann in den Kofferraum des Autos geliefert werden. Bei einigen Modellen von Ford, General Motors und anderen Herstellern kann nämlich der Kofferraum per App geöffnet werden. So können zum Beispiel Berufstätige nach Feierabend ihre Bestellung bereits im Kofferraum ihres Fahrzeugs verstaut finden. All das scheint einem weit verbreiteten Bedürfnis entgegenzukommen, denn laut Umfragen treffen 72 Prozent der Amerikaner besondere Vorkehrungen, damit sie Bestellungen auch sicher erhalten, oder organisieren ihren Tag entsprechend. Da wirkt die Zustellung am Tag der Bestellung, die Amazon auch in einigen Städten Deutschlands anbietet, fast schon antiquiert.

Discount-Zertifikat auf Alibaba
WKN DC0QSJ
Name Alibaba Group Holding Ltd. (ADR) Discount-Zertifikat
Brief 118,25 EUR
Cap 135,00
Laufzeit 18.06.2020
Quanto
Stand 22.09.2019 18:06:10 Quelle: Deutsche Bank AG

dhl setzt auf afrika

Nicht die Art, sondern der Ort der Zustellung ist das Besondere bei DHL Africa eShop. Über diese Plattform können Kunden aus zehn afrikanischen Ländern, darunter Südafrika, Ruanda, Kenia und Malawi, in mehr als 200 Onlineshops aus den USA und Großbritannien bestellen. Neben Amazon, Zara und Apple gehören das Luxuskaufhaus Neiman Marcus, Louis Vuitton, Net-A-Porter, aber auch Macy’s und der Kinderkleidungsriese Carter’s dazu. Die Kunden loggen sich über die vom kenianischen Start-up MallforAfrica entwickelte DHL-App ein und können dann in den jeweiligen Shops einkaufen. Gezahlt wird durch die integrierte Bezahlfunktion. Als Zahlungsmittel werden Kreditkarten oder PayPal akzeptiert. In Afrika besonders wichtig ist, dass auch Mobile Payment, beispielsweise über die verbreitete Mobile-Payment-Plattform M-Pesa, möglich ist. So können auch Kunden, die zwar über kein eigenes Konto, dafür aber über ein Mobilfunkguthaben verfügen, von einem breiten globalen Warenangebot profitieren. Die Deutsche-Post-Tochter DHL, ohnehin gut in Afrika vertreten, schafft sich ihre Logistikaufträge praktisch selbst und verdient über die App doppelt, während die an dem Programm teilnehmenden Shops ihre Kundenbasis verbreitern.

Bonus-Zertifikat auf Deutsche Post
WKN DC37WY
Name Deutsche Post AG Bonus-Zertifikat mit Cap
Brief 39,38 EUR
Barriere 22,000
Distanz zur Barriere 0,00
Cap 42,00
Seitwärtsrendite p.a. 8,65 %
Stand 22.09.2019 18:06:11 Quelle: Deutsche Bank AG

branche im umbruch

Sicher ist, dass nicht nur die Logistikbranche, sondern auch der gesamte Handel sich in einer Transformationsphase befindet. Das Kundenverhalten ist in mehrfacher Hinsicht im Umbruch: Mit Metasuchmaschinen und Verkaufsportalen können Verbraucher in Sekundenschnelle Angebote vergleichen, Bezahlportale wie PayPal übernehmen mehr und mehr die Abwicklung des Kaufvorgangs und garantieren so mindestens eine gewisse Sicherheit auch bei neuen Lieferanten. Die Ansprüche, was Verfügbarkeit und Lieferschnelligkeit betreffen, steigen ständig, die Loyalität der Verbraucher zu einem bestimmten Lieferanten nimmt ab. Die Möglichkeit, Lieferanten wie Produkte für jedermann sichtbar online bewerten zu können, erhöht den Druck zusätzlich, denn unzufriedene Kunden äußern sich eher als zufriedene. Ein kleiner Logistik-Schluckauf kann da schnell ungeahnte Konsequenzen haben. Zudem werden gerade bei preisgebundenen Artikeln oder solchen, bei denen der Hersteller großen Wert auf Preishygiene legt, Versandkosten, Lieferfähig- und -schnelligkeit mehr und mehr zum wichtigen Unterscheidungsmerkmal der unterschiedlichen Lieferanten. Entsprechend hart ist der Konkurrenzkampf.

Discount-Zertifikat auf Amazon
WKN DC0QYA
Name Amazon.com Inc. Discount-Zertifikat
Brief 1336,03 EUR
Cap 1560,00
Laufzeit 18.06.2020
Quanto
Stand 22.09.2019 18:06:11 Quelle: Deutsche Bank AG

Logistikkosten steigen

Die gute Lieferfähigkeit vieler Anbieter beeinflusst natürlich auch das Kundenverhalten: Wer weiß, dass eine am Abend bestellte Kiste Wein am nächsten Tag da ist, wird möglicherweise einfach warten, ob das geplante Grillfest wetterbedingt stattfinden kann, und erst am Tag vor dem Fest bestellen, anstatt sich rechtzeitig zu bevorraten. Sagen einige der Eingeladenen kurzfristig ab, werden einfach drei Flaschen Prosecco weniger bestellt.

Amazon

Und wenn ein simpler Zuruf an Alexa genügt, damit am nächsten Tag die zur Neige gehenden Spülmaschinentabs durch eine volle Packung ersetzt werden können, besteht für Verbraucher kein Grund zur Bevorratung. Aber auch der Versand mehrerer Artikel einer Bestellung aus unterschiedlichen Versandzentren in mehreren kleinen statt in einer größeren Sendung verursacht möglicherweise vermeidbare Kosten – ebenso wie der Versand von Luft, weil beim Verpacken der Sendung ein zu großer Karton gewählt wurde. Zudem wird schnell jeder zu viel gefahrene Kilometer ein Kostenfaktor. Auch die Möglichkeit der kostenlosen Rücksendung kostet. Insbesondere dann, wenn Artikel ohne wirkliche Kaufabsicht nur für einen bestimmten Anlass – ein Instagram-Post oder eine Party – bestellt, einmal getragen und ­wieder zurückgeschickt werden. Der britische Fashion-Versender ASOS, der sich an ein jüngeres Publikum wendet, hat angekündigt, bei einem ungewöhnlichen Rückgabeverhalten seiner Kunden künftig genauer hinschauen zu ­wollen, um sicherzustellen, dass Retouren „für uns und die Umwelt nachhaltig“ sind. Immerhin 13 Prozent der Befragten gaben in einer in Großbritannien durchgeführten Umfrage zu, schon einmal mit der Absicht, ein Kleidungsstück nur ein Mal zu tragen und dann wieder zurückzusenden, bestellt zu haben. Aber auch die Zahl der Verbraucher, die mehr bestellen würden, wenn Onlineshops eine kostenlose Rückgabe anbieten würden, steigt. Das alles erhöht die Zahl der Zustell- und Abholvorgänge – und damit die Kosten für die Unternehmen. Noch ist der Preiskampf der Onlinehändler erbarmungslos, aber nachdem Modeversender Zalando – angeblich ein Übernahmeziel von Alibaba – bereits im November den Gratisversand in Italien stoppte, müssen seit April auch Zalando-Kunden in Großbritannien, Irland und Spanien Versandkosten zahlen, wenn eine Mindestbestellmenge nicht erreicht wird. Retouren bleiben jedenfalls bei Standardlieferungen kostenlos. Deutschland ist davon nicht betroffen, hier sind Lieferung wie Retoure nach wie vor versandkostenfrei.

Zalando

wachstumssektor logistik

Mit einem Umsatz von 350 Mrd. Euro gehört der Sektor „Verkehr und Lagerei“ zu den wichtigsten Branchen in Deutschland, sein Logistikanteil beträgt 80 Prozent. 2018 wuchs der Sektor um 4 Prozent und damit deutlich stärker als die Industrieproduktion, die nur 1,2 Prozent zulegte. Dieser Trend könnte sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Versendder wie Transportdienstleister sind gezwungen, neue und intelligente Lösungen zu entwickeln, damit der Lieferverkehr nicht zusätzlich die Städte verstopft und zu einer noch größeren Umweltbelastung wird. So hat beispielsweise die Deutsche Post ein eigenes Elektrozustellfahrzeug entwickelt und Hermes ist eine „umfassende Partnerschaft zur Entwicklung von Technologien und Diensten für die Fahrzeugflotte des Handels- und Logistikdienstleisters“ mit Mercedes-Benz eingegangen. Die ersten von 1500 Elektrolieferwagen haben den Betrieb aufgenommen. Auch die Anzahl der Lastfahrräder nimmt zumindest in den Innenstädten zu. Vieles wird sich in den kommenden Jahren bewegen und die Versandhandels- und Logistikbranche ein spannendes Investmentthema bleiben, denn schließlich sind fast alle Menschen auch Kunden.

Discount-Zertifikat auf Zalando
WKN DC2JJC
Name Zalando SE Discount-Zertifikat
Brief 28,75 EUR
Cap 32,00
Laufzeit 17.12.2020
Quanto
Stand 22.09.2019 18:06:11 Quelle: Deutsche Bank AG
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