Kommentar Dr. Ulrich Stephan | 24.05.2019

USA: Aktien- und Anleihemarkt weiter interessant

Egal, was sie tut, die US-Notenbank Fed scheint es Donald Trump mit ihrer Geldpolitik nicht recht machen zu können.

Waren dem US-Präsidenten im vergangenen Jahr noch die regelmäßigen Leitzinsanhebungen ein Dorn im Auge, forderte er nach dem Ende des Zinsanhebungszyklus Anfang des Jahres sogar Leitzinssenkungen. Doch auch wenn sich Trump immer wieder unzufrieden mit den Entscheidungen der Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell zeigt: Einiges deutet darauf hin, dass die Notenbank zum ersten Mal in der US-Geschichte eine weiche Landung der heimischen Wirtschaft herbeiführen könnte – sprich: eine Abkühlung der Konjunktur ohne ein Abgleiten in eine Rezession.

Positive Konjunkturdaten für das 1. Quartal

Für diese Einschätzung sprechen die jüngst veröffentlichten Konjunkturdaten für das 1. Quartal 2019. Demnach ist die US-Wirtschaft auf das Jahr hochgerechnet um 3,2 Prozent gewachsen – die Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 2,3 Prozent gerechnet. Blickt man etwas genauer auf die Zahlen, relativieren sie sich jedoch: Das Wachstum wurde maßgeblich getrieben durch einen Rückgang bei den Importen, einen Anstieg der  Lagerbestände und höhere Staatsausgaben. Das sind allesamt Aspekte, die nicht für einen nachhaltigen Wachstumstrend sprechen. Gleichzeitig gingen das Investitions- und das Konsumwachstum wegen des weit in den Januar andauernden Regierungsstillstands sowie des kalten Winterwetters insgesamt zurück. Auch wenn die US-Wirtschaft nicht so positiv laufen dürfte, wie die Quartalsdaten vermuten lassen, sollte der solide Wachstumstrend jenseits des Atlantiks grundsätzlich anhalten. Darauf deutet auch der vor Kurzem veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht hin. Demnach wurden im April 263 000 neue Stellen geschaffen, deutlich mehr als die erwarteten 190 000. Zugleich sank die Arbeitslosenquote auf 3,6 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert.

Immobilienmarkt mit positivem Einfluss auf die Konjunktur

Positive konjunkturelle Impulse sind auch vom Immobilienmarkt zu erwarten. Denn der Anstieg der Immobilienpreise hat sich zuletzt abgeschwächt und dürfte künftig unter den Lohnsteigerungen liegen. Dadurch bleiben Wohnimmobilien für Käufer erschwinglich – zumal durch das Ende des Fed-Leitzinsanhebungszyklus die Zinsen für Hypothekenkredite seit November 2018 wieder deutlich gefallen sind. Ein weiterer Aspekt, der den US-Immobilienmarkt stützen dürfte, ist das von der Deutschen Bank erwartete Nachlassen des negativen Schocks durch die jüngste US-Steuerreform. Diese macht Immobilienbesitz durch geringere Abschreibungsmöglichkeiten unattraktiver, was bei einigen Marktteilnehmern anfänglich zu einer negativen Überreaktion geführt hat.

Risiken für den Außenhandel

Bei allen positiven Entwicklungen im Inland: Größtes Risiko für die US-Konjunktur bleibt die globale Nachfrage. Eine Eskalation des Handelsstreits mit China und Europa könnte das US-Wachstum 2019 nach Berechnungen der Deutschen Bank deutlich belasten – statt eines Plus von 2,6 Prozent wären dann lediglich 1,4 Prozent möglich. Zuletzt schienen die Gespräche über ein Handelsabkommen zwischen den USA und China Fortschritte gemacht zu haben – dann sorgten jedoch mehrere Tweets des US-Präsidenten Donald Trump für erneute Unruhe. Er kündigte eine Erhöhung und Ausweitung der Strafzölle auf chinesische Produkte ab dem 10. Mai 2019 an und China reagierte mit Gegenzöllen, die ab Juni implementiert werden sollen. Ob es sich dabei um eine Verhandlungsstrategie in der Endphase der Gespräche handelt oder ob dies das abrupte Ende der Handelsgespräche bedeutet, lässt sich aktuell nur schwer beurteilen.

Aktien und Anleihen aus den USA scheinen interessant

Vonseiten der Unternehmensgewinne erreichten Anleger zuletzt hingegen gute Nachrichten. Zwar sanken in den vergangenen drei Monaten die Gewinnprognosen der Analystengemeinde: Für das Gesamtjahr 2019 wurden sie für den S&P 500 um zwei Prozent nach unten korrigiert. Es scheint jedoch, dass der Boden bei den negativen Gewinnrevisionen erreicht ist: Die im S&P 500 gelisteten Unternehmen konnten mit ihren Berichten zum 1. Quartal 2019 insgesamt positiv überraschen. Die veröffentlichten Zahlen zum Gewinnwachstum liegen im Schnitt um mehr als sieben Prozent über den Prognosen der Analysten. 80 Prozent der Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen, allen voran aus den Sektoren Kommunikationsdienstleistungen und Technologie.
Aus Anlegersicht sollte die erwartete Konjunkturerholung für eine stärkere Wertentwicklung bei Aktien im Vergleich zu Anleihen führen. Zur Wahrung ihres Risikoprofils dürften Pensionsfonds dadurch im Jahresverlauf einen Teil ihrer Aktiengewinne in den Anleihemarkt umschichten. Aufgrund der Nullzinsen in der Eurozone und Japan könnte aus diesen Regionen zusätzliches Kapital in den US-Anleihemarkt fließen. Steigende Anleihekurse und sinkende Zinsen wären die Folge. Sollten sich die Risiken für den Außenhandel nicht manifestieren und die Fed an ihrer neutralen Geldpolitik festhalten, könnte sich die Verzinsung 10-jähriger US-Staatsanleihen bis Jahresende auf einem Niveau von 2,4 Prozent einpendeln. In diesem Umfeld scheinen sowohl der US-Aktien- als auch der US-Anleihemarkt für entsprechend risikobereite Anleger weiterhin interessante Investmentmöglichkeiten darzustellen.

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