Automobilbranche in Bewegung | 24.05.2019

Mit Vollgas unterwegs

Internationale Handelskonflikte, zunehmende Konkurrenz aus Asien, Fehltritte im eigenen Haus sowie der Trend zu Elektromobilität und autonomem Fahren – die Liste der Herausforderungen, denen sich die deutsche Automobilindustrie stellen muss, ist lang. Vor allem der riesige chinesische Markt bietet jedoch enormes Potenzial, das sich BMW, Daimler und Volkswagen mit innovativen Konzepten und vielversprechenden Partnerschaften erschließen wollen. Dass sie dabei durchaus Erfolg haben, macht sie auch aus Anlegersicht interessant.

Autos

Die Transformation der deutschen Automobilindustrie ist längst ins Rollen gekommen. Nirgends zeichnet sich die Fokusverschiebung von Hardware zu Software deutlicher ab als in dieser Branche. Die steigenden Bevölkerungszahlen, das Wachstum der kaufkräftigen Mittelschicht mit einem hohen Mobilitätsbedarf sowie die Digitalisierung und Vernetzung der relevanten Märkte nähren die weltweiten Megatrends. Insbesondere die Verflüssigung des Verkehrs durch die Vernetzung aller Verkehrsträger, unter anderem mit dem Ziel der Reduzierung oder sogar Vermeidung von Unfällen, bietet der Automobilindustrie enorme Potenziale. Laut Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, befindet sich die deutsche Autobranche mit ihren Forschungsinvestitionen klar auf der Poleposition. Schließlich nennen die deutschen Hersteller und Zulieferer rund die Hälfte der weltweiten Patentanmeldungen zum vernetzten und automatisierten Fahren ihr Eigen. Darüber hinaus sollen die Investitionen der deutschen Automobilindustrie in diesem Bereich in den kommenden drei Jahren rund 18 Milliarden Euro betragen.

Wichtige Kooperationen

Unternehmen aus der Automobil- und der Digitalbranche rücken enger zusammen. BMW und Volkswagen beispielsweise öffnen ihre Fertigungsplattformen und kooperieren mit den amerikanischen IT- und Internet-riesen Microsoft und Amazon, um Produktionsprozesse zu beschleunigen. Daimler und BMW beabsichtigen, ihre Kräfte im Dienstleistungsgeschäft zu bündeln und bauen an der gemeinsamen Mobilitätsplattform ShareNow, um Angebote schneller und zu geringeren Kosten zu ermöglichen. Wirklich neu ist diese Art der Zusammenarbeit jedoch nicht. So ist unter anderem die Ko-Produktion von standardisierten Teilen wie Scheibenwischern längst gang und gäbe und Kooperationen zwischen Wettbewerbern schon lange kein Tabu mehr – sofern sie allen Parteien Nutzen bringen, zum Beispiel bei der Beschleunigung von Entwicklungen. Partnerschaften, offene Ökosysteme und die Beteiligung an Konsortien sollen dabei unter anderem neuen Antrieben wie dem Elektromotor schneller zum Durchbruch verhelfen. Aber auch die für die gesamte Branche erforderlichen Standards, etwa zur digitalen Sicherheit, sollen dabei auf die Überholspur gebracht werden.

BMW bestätigt Prognosen

Und so wird die Vorstellung einer Zukunft mit vollelektrischen Autos mit jedem Tag etwas greifbarer. In China wird der Umschwung am schnellsten erwartet. Insbesondere für BMW läuft es dort mit einem Anstieg der Auslieferungen um zuletzt 10 Prozent überdurchschnittlich gut. Für das Jahr 2019 rechnet der BMW-Finanzchef Nicolas Peter in der Volksrepublik mit einer Steigerung der Verkäufe um 5 bis 10 Prozent. Entgegen einiger anderer ausländischer Automobilhersteller hat sich BMW auch nicht auf die dortigen Rabattschlachten eingelassen, so dass die Margen bisher gehalten werden konnten. Das ist von hoher Relevanz, denn während sowohl der Umsatz als auch der Absatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019 weitgehend konstant geblieben sind, ist das EBIT aus Sicht des Gesamtkonzerns aufgrund von Rückstellungen um mehr als 78 Prozent auf 589 Millionen Euro eingebrochen. Auch wenn es sich hierbei voraussichtlich nur um einen Einmaleffekt handeln dürfte, ist der Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem BMW ein EBIT von 2,7 Milliarden Euro vorweisen konnte, immens. Zumindest konnten Anleger zuletzt die positive Nachricht vernehmen, dass das Management des Premiumautobauers an seinen bisherigen Prognosen für das laufende Geschäftsjahr weiterhin festhält. Entsprechend rechnen die Münchener für 2019 mit einem starken zweiten Halbjahr, angesichts wegfallender positiver Bewertungseffekte jedoch auch mit einem deutlichen Rückgang des Finanzergebnisses.

Daimler trotzt dem Markt

Auch wenn der chinesische Pkw-Markt insgesamt sowohl im Jahr 2018 als auch im ersten Quartal 2019 schwächelte, sehen die deutschen Autobauer nach eigenen Aussagen gute Chancen, ihre Marktanteile in China auszubauen. Dabei vertrauen sie auf die anhaltend robuste Nachfrage im Segment der Premiumfahrzeuge, welches sich von den konjunkturellen und handelspolitischen Faktoren in China bisher relativ unbeeindruckt zeigte. Entsprechend trotzte auch Daimler den rückläufigen Verkäufen des chinesischen Gesamtmarkts und behauptete sich in den ersten vier Monaten des Jahres mit einem 2,2-prozentígen Absatzplus seiner Premiummarke Mercedes-Benz. Weltweit sind die Absatzzahlen der Stuttgarter in diesem Zeitraum jedoch schwächer ausgefallen. So wurden zwischen Januar und April 2019 742 809 Pkws mit dem Stern in Kundenhand übergeben – ein Rückgang um 5,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Allein im ersten Quartal schrumpfte der operative Gewinn um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Dennoch rechnet Daimler für das Gesamtjahr mit einer leichten Steigerung bei Absatz, Umsatz und Ergebnis. Damit warten große Herausforderungen auf den neuen Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius, der den altgedienten Konzernlenker Dieter Zetsche nach 13 Jahren an der Spitze des deutschen Autobauers Daimler beerbt hat. Schließlich erfolgt der Vorstandswechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da die Stuttgarter mit steigenden Kosten für die Entwicklung von Elektroautos konfrontiert werden. Doch angesichts der großen Veränderungen in der Automobilbranche führt an kurzfristigen Sparmaßnahmen und langfristigen Weichenstellungen kein Weg vorbei.

Neuer Rekord in Sicht

Die kürzlich veröffentlichte Studie eines renommierten Beratungsunternehmens zeigte auf, dass die Erlöse im globalen Automarkt im Jahr 2018 angestiegen sind, der Absatz und der kumulierte Gewinn jedoch rückläufig waren. Das wiederum bedeutet, dass sich die Gewinnmargen der Autobauer insgesamt reduzierten. So sollen unter anderem höhere Zölle, der globale Handelskonflikt und Probleme bei der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP zum Teil zu erheblichen Belastungen für die Automobilindustrie geführt haben. Doch auch die der strategischen Ausrichtung geschuldeten Investitionen in neue Antriebstechnologien führten zu einem zusätzlichen Margendruck bei den Automobilkonzernen. Aufgrund des Nachholbedarfs fielen die Ausgaben für Forschung & Entwicklung (F&E) bei den deutschen Autobauern höher aus als bei der internationalen Konkurrenz. Hier tätigte der VW-Konzern mit 12,1 Milliarden Euro übrigens die höchsten F&E-Ausgaben. Erst kürzlich hat Volkswagen zusammen mit seinem chinesischen Partner JAC die Genehmigung zum Bau eines Werks für rund 700 Millionen Euro in Hefei erhalten. Die geplante Jahreskapazität soll rund 100 000 Fahrzeuge betragen. Mit der Fabrik will VW die Nachfrage nach günstigen Elektroautos in China bedienen. Bereits einen Schritt weiter ist Volkswagen am Standort Anting in der Nähe von Shanghai. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC kann das dortige Werk ab 2020 rund 300 000 elektrifizierte Fahrzeuge vom Band rollen lassen. Noch sind die Wolfsburger Marktführer im Reich der Mitte. 2018 verkauften die Konzernmarken dort mehr als 4,2 Millionen Fahrzeuge. Um die Nummer eins zu bleiben, will Volkswagen in den nächsten zehn Jahren rund 22 Millionen Elektrofahrzeuge – mehr als die Hälfte davon in China – produzieren. Kein Wunder, ist die Volksrepublik doch auch der größte Markt des Dax-Konzerns. Zuletzt wusste der Konzern auch das Gros der Analysten zu überzeugen. Angesichts der Tatsache, dass das erste Quartal 2019 für die meisten Unternehmen sehr schwierig war, konnte sich Volkswagen im Branchenvergleich gut schlagen. Während der Umsatz um 3,1 Prozent auf 60 Milliarden Euro stieg, ging das EBIT im Jahresvergleich um 0,3 Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro zurück. Trotz dieses Gewinnrückgangs konnten die allgemeinen Erwartungen übertroffen werden. Und so halten die Wolfsburger auch an ihren Zielen für das Jahr 2019 fest, wonach die Auslieferungen an die Kunden den Wert von 2018 leicht übertreffen sollen und demnach der nächste Auslieferungsrekord anstünde.

Mit Discount oder Bonus

Aus Börsensicht sind die drei großen deutschen Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen mehr oder weniger im Gleichschritt marschiert. Auch wenn die Wolfsburger zwischenzeitlich mit einem deutlich stärkeren Absturz zu kämpfen hatten, zeigt der Fünf-Jahres-Rückblick, dass sich die Aktien der drei Wettbewerber langfristig ähnlich entwickelt haben und sich zuletzt eher in einer Seitwärtsbewegung befanden. Für Anleger, die zunächst mit der Fortsetzung dieses Kursverlaufs rechnen, könnten Discount-Zertifikate mit einem Preisabschlag gegenüber dem aktuellen Börsenkurs in Betracht kommen. Für diesen Discount ist jedoch die maximale Gewinnchance des Zertifikats durch einen Höchstbetrag begrenzt. Dieser Preisabschlag schützt den Anleger dafür gegen Kursverluste des Basiswerts und ermöglicht positive Renditen bereits bei seitwärts tendierenden und sogar bei leicht fallenden Kursen. Anleger, die grundsätzlich eine positive Kursentwicklung für wahrscheinlicher halten, aber ebenso noch einen Gewinn erzielen möchten, wenn sich der Markt seitwärts bewegt oder die Basiswerte sogar leichte Kursrückgänge verzeichnen, finden in Bonus-Zertifikaten gute Alternativen zu den Direktinvestments in Aktien. Schließlich ist US-Präsident Trumps Entscheidung zu den amerikanischen Autozöllen innerhalb der nächsten sechs Monate ungewiss. Auf www.xmarkets.de können unter anderem Discount- und Bonus-Zertifikate bequem und übersichtlich nach diversen Merkmalen und Kennzahlen miteinander verglichen werden. So lässt sich für jeden Anleger schnell das Passende finden.

Deutsche Autoaktien

Discount-Zertifikate

WKN Name Brief Cap Seitwärtsrendite p.a. Laufzeit
DC07BE Volkswagen AG Vz. Discount-Zertifikat 133,92 EUR 152,00 6,93 % 19.03.2020
DC0670 BMW AG St. Discount-Zertifikat 60,19 EUR 68,00 4,78 % 19.03.2020
DC4N9G Daimler AG Discount-Zertifikat 45,82 EUR 54,00 4,43 % 19.03.2020
Stand 16.06.2019 02:58:00 Quelle: Deutsche Bank AG

Bonus-Zertifikate mit Cap

WKN Name Brief Cap Seitwärtsrendite p.a. Laufzeit
DC3TXQ Daimler AG Bonus-Zertifikat mit Cap 54,48 EUR 70,00 36,11 % 19.03.2020
DC028V Volkswagen AG Vz. Bonus-Zertifikat mit Cap 177,47 EUR 220,00 30,38 % 19.03.2020
DC3781 BMW AG St. Bonus-Zertifikat mit Cap 81,85 EUR 105,00 35,85 % 19.03.2020
Stand 16.06.2019 02:58:00 Quelle: Deutsche Bank AG
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