Interview | 29.04.2019

„Hier kann man Künstlern noch zuschauen“

War für viele Künstler die tropische Inselwelt der Seychellen ­anfangs nur ein Erholungs- und Rückzugsgebiet, entwickelt sie sich mehr und mehr auch zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Im Interview verrät Maximilian Hunzinger, warum die tropische Republik Künstler und Sammler gleichermaßen anzieht.

X-press: Künstler zog es schon in den 1960er Jahren auf die Seychellen. Was fasziniert die Kunstszene so?

Maximilian Hunzinger: Ich denke, es war von jeher die natürliche, farbenprächtige und abwechslungsreiche Schönheit des Landes, die schon früh auch die Kunstszene angezogen hat. Sicher hat auch das ganzjährig angenehme Tropenklima dazu beigetragen, wie auch die Tatsache, dass hier eine multi-ethnische Bevölkerung friedlich zusammenlebt und dass es weder Naturgefahren noch Tropenkrankheiten oder gefährliche Tiere gibt.

X-press: Die Galerieszene ist noch relativ klein. Wie kommt man mit lokalen Künstlern und Werken am besten in Kontakt?

Maximilian Hunzinger: Ich finde, für so ein kleines Land haben die Seychellen eine beachtliche und auch eine sehr lebhafte Kunstszene! Einmal einem Künstler über die Schulter schauen – auf den Seychellen ist das kein Problem, denn immer mehr Künstler öffnen ihre Ateliers. Zum Beispiel George Camille: Der Maler lässt sich in seinen Werken vom Indischen Ozean inspirieren, seine Schildkröten, seine Porträts und seine Naturschauspiele in Acryl oder Wasserfarben sind täuschend echt! Auch Donald Adelaide und Andrew Gee empfangen Besuch in ihren Studios. Kunst zum Anfassen gibt es auch bei den Bildhauern Tom Bowers und Antonio Filippin.

X-press: Auf welche Veranstaltungen und Events können sich Kunstfreunde in diesem Jahr freuen?

Maximilian Hunzinger: Im Mai findet das jährliche „Seychelles Arts Festival“ statt, auf dem herausragende lokale Künstler ihre Werke ausstellen, sich bei der Arbeit zuschauen lassen oder Kurse geben. Zeitgleich kreieren heimische Köche in einigen Hotels kreolische Gerichte und es treten Musiker und Tänzer auf. Ebenfalls im Mai feiert man auf den Seychellen seit 1999 den Afrikatag – den „FetAfrik“, an dem sich auch viele ausländische Künstler beteiligen. Darüber hinaus gibt es alle zwei Jahre die „Biennale of Contemporary Art“ und ganzjährig trifft man täglich verschiedene Künstler im „Craft Village“. Der Geist ist aus der Flasche und es gibt unzählige junge Künstler, die auch weiterhin Ideen verwirklichen möchten.

Das Interview führte Jürgen Wenzel

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