Kunstwelten: Seychellen | 29.04.2019

Seychellen – Künstlertraum unter Palmen

Ihre Bilder hängen weltweit in Galerien, Museen oder den Privaträumen von Sammlern. Ihre Ateliers und Studios auf den Seychellen liegen zwar oft ein bisschen versteckt, aber hier kann man erfolgreichen Künstlern noch ganz nahe kommen.

Interview

„Hier kann man Künstlern noch zuschauen“

War für viele Künstler die tropische Inselwelt der Seychellen ­anfangs nur ein Erholungs- und Rückzugsgebiet, entwickelt sie sich mehr und mehr auch zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Im Interview verrät Maximilian Hunzinger, warum die tropische Republik Künstler und Sammler gleichermaßen anzieht.

Maximilian Hunzinger

Lange bevor die Seychellen touristisch erschlossen wurden, entdeckten Künstler aus aller Welt den Inselstaat für sich als Rückzugsort. Zu den Seychellen-Pionieren gehörten in den 1960er Jahren Filmstar Peter Sellers („Inspektor Closeau“) und Beatle George Harrison. Auf der Hauptinsel Mahé erwarben beide gemeinsam eine große Landfläche um die Bucht Anse Intendance. An Bord des Privatflugzeugs, das beide mehrmals im Jahr auf ihr Inselrefugium brachte, waren oft auch weitere Künstler: Schauspieler, Musiker, Maler und Bildhauer. Einige reisten auch dann noch in das damals schwer erreichbare Paradies, als Sellers schon längst seine Zelte abgebrochen hatte. Befreundete Künstler erfuhren aus Erzählungen, wie inspirierend die Zeit unter Palmen dort sein kann, und reisten auf eigene Faust auf die Seychellen. Unter ihnen war auch Tom Bowers, ehemals Art Director in der Werbebranche, dem es hier so gut gefiel, dass er einfach blieb und sich als Bildhauer ein Atelier auf Mahé einrichtete. Bowers modelliert in Bronze, was ihm vor die Augen kommt, was ihn umgibt und fasziniert. Seine Palmen und Riesenschildkröten fanden finanzkräftige Sammler und werden heute für sechsstellige Summen gehandelt. Auftragsarbeiten liefert er regelmäßig in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Russland oder London. Bowers’ Fans lieben seine in Bronze gegossenen Alltagssituationen auf den ewigen Sehnsuchtsinseln, die oft junge Frauen zeigen, die auf Palmen klettern oder am Strand nach Muscheln suchen. Inzwischen fördert der Erfolgskünstler auch den lokalen Nachwuchs, indem er am National Conservatoire of Performing Arts in der 30 000 Einwohner zählenden Hauptstadt Victoria Kurse gibt. Auch sein Nachbar Michael Adams lässt sich bei seinen Arbeiten von den Seychellen inspirieren, allerdings mehr von der Natur als von den Menschen. Sein Atelier verlegt Adams manchmal direkt unter die Baumwipfel des Tropenwaldes oder an die Ufer versteckter Dschungelflüsse. Auf den ersten Blick scheinen seine Motive oft ohne Tiefe, bei längerem Betrachten merkt man aber, dass Adams’ Aquarelle die pralle Farbenwelt der Seychellen fast schon surreal und jenseits der normalen optischen Wahrnehmung zeigen. Die Traumstrände der Inseln wirken zwar auch in der Realität unwirklich schön, aber Adams gelingt es, sie in eine noch irrealere Sphäre zu transponieren. „Die Landschaften sind mein Kapital“, erklärt der Künstler dazu lakonisch. Adams’ Studio und Wohnhaus liegen, so wie ­viele seiner Motive, versteckt inmitten der wuchernden Inselvegetation. Auf dem Weg von der Polizeiwache in Baie Lazare nach Norden ist das von ihm gemalte Schild „Michael Adams Paintings“ der einzige Hinweis auf die Residenz des „Gauguin des Indischen Ozeans“. Ein Besuch in seinem Studio ist möglich – auch das eine Besonderheit für einen Künstler seines Formats. Unbedingt sollte man sich hierfür allerdings anmelden, denn das Atelier selbst liegt hinter dem Wohnhaus abgelegen und ohne Klingel inmitten eines verwunschenen Gartens. Seit 1975 lebt der Maler in einer Villa aus der Kolonialzeit, die er zusammen mit seiner Frau Heather liebevoll renovierte. Ohne eigenes Marketing und fernab der großen Kunstmärkte hat es das Phänomen Adams in Sammlerkreisen zu Bekanntheit gebracht. Seine Siebdrucke sind in den besten Hotels der Seychellen zu sehen, das Hotel Fregate Island Private ließ sich für seine Empfangshalle eigens Aquarelle von ihm anfertigen. Etwas einfacher zu finden sind die Werke von George Camille: Die Galerie Kaz Zanana, unweit der Altstadt von Victoria, führt eine sehr gute Auswahl von Camilles Bildern, die oft Motiven aus der kreolischen Vergangenheit der Inseln gewidmet sind. Mit der Unterwasserwelt der Seychellen befasst sich intensiv Nigel Henri. Von einem seiner Acrylbilder wird man bereits bei der Ankunft im Flughafen begrüßt. Sein Studio in Beau Vallon präsentiert eine breite Schau eigener Werke. Auf dem Weg nach Anse Source d’Argent auf der Insel La Digue liegt die charmante Galerie von Barbara Jenson. Ihre sehr originellen Werke thematisieren in Aquarellfarben die afrikanische Herkunft vieler Seychellenbewohner. Ein weiteres Beispiel für einen Künstler, den die Inselrepublik nicht mehr losgelassen hat, ist Andrew Gee. Anfang der 1990er Jahre kam der Modedesigner hierher, inzwischen gilt er als einer der führenden Wasserfarbenmaler. Sowohl als Bildhauer als auch als Maler erfolgreich ist Egbert Marday. Seine Arbeiten, figürlich wie abstrakt, beschäftigen sich mit den Problemen und den Freuden der einfachen Menschen. Auch seine Galerie befindet sich auf der Hauptinsel Mahé. Für noble Hotels wie das Hilton Resort Labriz auf Silhouette oder das Raffles auf Praslin, ist Kunst ein großes Anliegen. So finden sich über die große Anlage des Raffles verstreut Gemälde von Raymond du Buisson. Seine farbgewaltigen Bilder laden zum Träumen ein und sind inzwischen weltweit in Galerien vertreten. Das Raffles verfügt über eine eigene Galerie. Und wer sich für kreolisches Kunsthandwerk interessiert, der wird im Vilaz Artizanal, einem Künstlerdorf auf Mahé, fündig. Einigen Kreativen kann man hier in den aneinandergereihten Studios bei der Arbeit zusehen.

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