Kunstwelten | 21.02.2019

Hongkong - Asiens Kunstzentrum

Die ehemalige Kronkolonie hat sich in den letzten Jahren zum wichtigsten  Kunstmarkt Asiens entwickelt. Die Galerieszene wächst beständig, die atemberaubenden Umsätze zogen auch viele internationale Kunsthändler an. Nicht umsonst ist die größte Baustelle der Stadt ein Kunstmuseum – die Eröffnung ist für Ende des Jahres geplant.

Interview

Was macht Hongkong für Kunstsammler so attraktiv?

Seit 2013 leitet Dr. Florian Knothe das UMAG, das Hongkonger University Museum und die Art Gallery. Das Museum besteht seit 1953 und befasst sich mit der Geschichte der chinesischen Kunst. Im Gespräch mit X-press analysiert er die Entwicklung von Hongkongs Kunstszene in den letzten Jahren.

Dr. Florian Knothe

Ab 27. März erwartet die Art Basel wieder Sammler und Kunstfreunde aus aller Welt zu ihrer jährlichen Show in Hongkong. Die ehemalige britische Kronkolonie hat sich innerhalb weniger Jahre zu dem asiatischen Kunstzentrum schlechthin entwickelt. Wie ein Katalysator wirkte dabei die Art Basel, die seit 2013 in Hongkong präsent ist und dabei half, den Blick der Geldelite Asiens auf das Thema Kunstinvestment zu lenken. Die fünf Millionen Dollarmillionäre Asiens und 600 Dollarmilliardäre Chinas scheinen jedenfalls die richtige Zielgruppe für den boomenden Hongkonger Kunstmarkt zu sein. Und für die prestigebedachte Hongkonger Businesswelt ist Kunst inzwischen zu einem wichtigen Präsentations- und Identifikationsfaktor geworden. Aus dem gesellschaftlichen Leben Hongkongs ist Contemporary Art heute nicht mehr wegzudenken. Der Trend betrifft Asien insgesamt, aber die Sogwirkung, die Hongkong dabei entfaltet, ist enorm: Sammler aus dem ganzen Osten kommen in die Sonderverwaltungszone – auf der Suche nach Neuerwerbungen für ihre Privatsammlungen oder sogar Privatmuseen. Die Bedeutung Hongkongs als wichtiger Finanzplatz Asiens, als Anlageplatz von gutem Ruf und als Wirtschaftsverbindung zum chinesischen Festland – all das steht im Hintergrund, wenn dort heute auf dem Kunstmarkt Spitzenumsätze erzielt werden. Die Direktorin der Art Basel Hongkong, Adeline Ooi, sagt über die Entwicklung, die Hongkong zur Drehscheibe des Kunstmarktes aufsteigen ließ: „Wir erleben den asiatischen Moment. Unsere Sammler entdecken die Vielfalt ihres Kontinents durch die Kunst neu. Sie kaufen international und nicht mehr überwiegend bei Auktionen wie früher, sondern auf Messen.“ Internationale Galerien beschränken sich in den letzten Jahren aber nicht mehr nur darauf, auf einer Messe wie der Art Basel Hongkong zu präsentieren, sondern sie eröffnen auch eigene Dependancen. Das beste Beispiel hierfür ist der neue Kunstkomplex „H Queen’s“: ein Glasturm mit 24 Stockwerken aus Kulinarik und Kunst von globalem Format, für Kunstsammler aus aller Welt der Olymp Hongkongs. David Zwirner eröffnete dort seine XXL-Galerie, ihm folgten mit Hauser & Wirth und Pace zwei weitere internationale Größen und auch die Hongkonger Galerien Ora-Ora und Pearl Lam sind hier beheimatet. Der Entwurf für den Turm der XXL-Galerien stammt von William Lim, der passenderweise selbst Künstler und Sammler ist und sich mit den Anforderungen der örtlichen Szene bestens auskennt. Ausstellungswerke werden im „H Queen’s“ mit einem eigenen Lastenkran durch die beweglichen Glaswände in die Ausstellungsräume gehoben. Für großformatige Installationen ist der Galeriekomplex nicht gestaltet, damit entspricht das räumliche Angebot ganz den Hongkonger Realitäten. Denn für zu raumgreifende Werke haben die meisten lokalen Sammler in ihren Hongkonger Wohnungen schlichtweg nicht die Flächen. Die allgegenwärtige Raum- und Platznot in Hongkong führte auch zu der Notwendigkeit, künstliches Land am Ozean aufzuschütten, um das derzeit größte Bauprojekt der Stadt zu realisieren: Im Stadtteil West Kowloon entsteht M+, ein Museum für visuelle Kultur. 600 Millionen Euro öffentliche Mittel sind für dieses Schaufenster internationaler Kunst- und Designschätze vorgesehen. Auch architektonisch wird das vom Büro Herzog & de Meuron entworfene quaderförmige Gebäude ein Blickfang, dessen Terrasse die schönste Sicht über die Bucht auf die Skyline der Stadt bieten soll. Die Eröffnung des Museums wird auch eine Lücke in der Hongkonger Kunstlandschaft schließen. Denn in der strikt auf Kauf ausgerichteten Kunstszene fehlte noch ein Museum von Weltformat. Wer sich in unabhängigen und kleineren Galerien wohler fühlt, dem wird der South Island Cultural District, ein altes Industriegebiet, gefallen. Hier finden sich an den Mauern und Werkstoren auch beeindruckende Street-Art-Werke. Eine künstlerische und farbenfrohe Verschönerung der Fassaden erfuhr auch das Viertel Sai Ying Pun. Auch die Art Lane entlang der Ki Ling Lane und der Chung Ching Street ist ein absolutes Muss für Liebhaber der Street-Art. Neben der Art Basel Hongkong bietet die Stadt in den kommenden Wochen übrigens noch weitere spannende Termine für Kunstfreunde. So findet vom 27. bis 31. März an der Central Harborfront die Art Central mit über 100 Ausstellern statt. Und vom 29. März bis zum 1. April die Asia Contemporary Art Show. Die einzelnen Galerien präsentieren sich hier in den Zimmern des Hotels Conrad.

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