Interview | 21.02.2019

Was macht Hongkong für Kunstsammler so attraktiv?

Seit 2013 leitet Dr. Florian Knothe das UMAG, das Hongkonger University Museum und die Art Gallery. Das Museum besteht seit 1953 und befasst sich mit der Geschichte der chinesischen Kunst. Im Gespräch mit X-press analysiert er die Entwicklung von Hongkongs Kunstszene in den letzten Jahren.

X-press: Was macht Hongkong für Kunstsammler so attraktiv?

Dr. Florian Knothe: Hongkong verfügt über einen Freihafen, einen freien Markt und eine Währung, die an den Dollar gekoppelt ist und somit eine interessante Anlage für Chinesen ist. Für Festland-Chinesen sind die freie Wirtschaft, das internationale Prestige, das Rechtssystem und natürlich die vielen ausländischen Galerien sehr attraktiv.

X-press: Welche Bedeutung hat heute Contemporary Art für die Gesellschaft Hongkongs?

Dr. Florian Knothe: Seit vielen Jahren genießt die traditionelle chinesische Kunst sehr hohes Ansehen und reiche Sammler besitzen wertvolle und kunsthistorische wichtige Sammlungen. Die zeitgenössische Kunst holt jetzt sehr schnell auf und lockt andere, neue und jüngere Sammler an. Hongkong hat für den gesamten Ost- und südostasiatischen Raum eine ganz besondere Bedeutung und Anziehungskraft. Daher lohnt sich auch die Investition für Marktteilnehmer aus dem Ausland, da sie hier langsam einen neuen Kundenkreis aufbauen können.

X-press: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung Hongkongs als Kunstmetropole?

Dr. Florian Knothe: Hongkong wird sicherlich weiterhin eine große Drehscheibe für zeitgenössische Kunst bleiben. Das Interesse von Käufern hat bisher, auch trotz des wirtschaftlich schwächeren letzten Jahres, zugenommen. Neben der Kunst sieht man hier Geldanlagen in Immobilien und starke Käufe von Luxusautos, die zeigen, wie der Markt in Hongkong von Hongkongchinesen, und besonders auch reichen Nachbarn, angetrieben wird. Und neben der Top-Liga der Anlagen auf dem Kunstmarkt gibt es auch kleinere Kunstmessen, die kostengünstigere und auch lokale Kunst anbieten. Auch Hongkong bietet Kunst, die einem größeren Teil der Gesellschaft zugänglich ist.

Das Interview führte Jürgen Wenzel

Tags

X-press Magazin © 2019