Kolumne | 25.10.2019

Auf dem falschen Fuß erwischt

Kurz vor dem Schreiben dieser Zeilen bin ich über einen Artikel gestolpert, der uns lehrt, dass auch Profis sich manchmal verschätzen können.

So soll die neue deutsche Gold-Sammelmünze „Dom zu Speyer“ zu einem Verkaufspreis ausgegeben worden sein, der während der Bestellfrist unter dem Materialwert gelegen habe. Eine nette Arbitragemöglichkeit, wenn da nur nicht die Geld-/Briefspanne wäre (deswegen sind X-markets-Zertifikate natürlich eine viel interessantere Möglichkeit, in Gold zu investieren). Anscheinend wurde das Finanzministerium vom Preisanstieg des güldenen Metalls etwas überrascht – man hätte sich ja auch vorher mal bei Fachleuten (wie zum Beispiel dem, dessen Antlitz mir gerade im Spiegel entgegengrinst) über die Aussichten für den Goldpreis informieren können. Wobei zugegebenermaßen auch ich nicht unbedingt mit einem Siebenjahreshoch in Dollar beziehungsweise gar einem Allzeithoch in Euro betrachtet gerechnet hätte. Nach seinen Hochs von Anfang September bewegt sich der Goldpreis nun schon eine ganze Zeit lang seitwärts. Was aber auch nichts Schlimmes ist, sondern ungefähr so, wie wenn ein Ultramarathonläufer mal eine kleine Gehpause einlegt. Warum erschien das Gold in den ersten ­beiden Oktoberwochen etwas schlapp? Hier spielt die ­vermeintliche Entspannung im Handelskonflikt USA–China eine ebenso große Rolle wie die Renditen bzw. Marktzinsen der Staatsanleihen, die wieder ein ganzes Stück von ihren Tiefständen entfernt notieren. War es das jetzt schon mit der Goldrallye? Gemach! Schließlich sind die geopolitischen Konflikte noch nicht wirklich entschärft, sondern einige von ihnen – Stichwort Naher Osten – köcheln gerade mal wieder hoch. Auch die Vereinbarung von Mitte Oktober zwischen den USA und China hinsichtlich der Handelsstreitigkeiten ist zum Redaktionsschluss lediglich eine Absichtserklärung. Auch wenn der „größte Dealmaker aller Zeiten“ (Trump über Trump) diese Vereinbarung via Twitter als unfassbar großartigen, phänomenal-pyramidalen Deal ansieht. Bei Licht betrachtet war dies wohl eher eine kurze Ruhepause als eine endgültige Lösung im Handelskonflikt. Oder halt ein „Dealchen“. Warten wir es also ab und werfen wir die Flinte nicht vorzeitig ins Korn.

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