thyssenkrupp vor Neuaufstellung | 27.09.2019

Attraktiv(er) trotz Abstieg

Überkapazitäten, Billigstahl aus China, ein enormer Preisdruck und trübe Konjunkturaussichten machen der gesamten Stahlbranche zu schaffen, insbesondere thyssenkrupp. Als Kon­sequenz musste das Essener Traditionshaus im September den Dax in Richtung MDax verlassen. Trotzdem kann thyssenkrupp ein interessanter Basiswert sein.

Thyssenkrupp

Dunkle Wolken schweben derzeit über der Konzernzentrale in der ThyssenKrupp-Allee 1 in Essen. Nicht nur die Tatsache, dass die Aktie des Unternehmens in den ersten acht Monaten des Jahres 25 Prozent ihres Werts eingebüßt hat, auch die tiefroten Bilanzen mit einem Verlust von 170 Mio. Euro in den ersten neun Monaten (per 30. Juni) des Geschäftsjahres 2018/2019 sorgen für trübe Stimmung bei Anlegern wie Management – zumal im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 229 Mio. Euro realisiert worden war. Die Jahresprognose schraubte der Vorstand jedenfalls nach unten. Vor allem die müde Autokonjunktur macht den Essenern zu schaffen, aber auch Altlasten von 2006 aus dem Bau zweier Stahlwerke in den USA und Brasilien, der den Konzern 8 Mrd. Euro kostete, seien noch zu spüren. Dazu kommt, dass die seit 2016 geplante Fusion mit den europäischen Stahlaktivitäten des indischen Tata-Konzerns im Juni dieses Jahres am Veto der EU-Kommission scheiterte. Damit ist auch die geplante Aufspaltung in die unabhängigen Unternehmen thyssenkrupp Industrials (Aufzüge, Anlagenbau, Automobilzulieferung) und thyssenkrupp Materials (Werkstoffe, Marineschiffbau, Stahl) vom Tisch. Sie sollte die Abhängigkeit vom Stahlgeschäft verringern.

Discount-Zertifikate auf Thyssenkrupp

WKN Name Brief Cap Laufzeit
DS84S3 thyssenkrupp AG Discount-Zertifikat 10,91 EUR 14,00 18.06.2020
DS8UXP thyssenkrupp AG Discount-Zertifikat 10,99 EUR 14,50 18.06.2020
DS8UXQ thyssenkrupp AG Discount-Zertifikat 11,06 EUR 15,00 18.06.2020
DS84S2 thyssenkrupp AG Discount-Zertifikat 10,82 EUR 13,50 18.06.2020
Stand 10.12.2019 23:41:57 Quelle: Deutsche Bank AG

ALLES AUF ANFANG

Auf sich allein gestellt, vollzog das Management um den Vorstandsvorsitzenden Guido Kerkhoff eine Kehrtwende und kündigte unter dem Hashtag #newtk eine neue Strategie an, die das Stahlgeschäft mit seinen 27 000 Beschäftigten wieder in den Fokus rücken soll. „Wir bauen ein ganz neues thyssenkrupp“, so Kerkhoff. Dazu gehört auch, dass die Holding sowie die Führungsstruktur im Allgemeinen verschlankt werden soll: „Wir müssen selbstkritisch feststellen, dass wir hier zum Teil erhebliche Redundanzen haben“. 6000 von 150 000 Mitarbeitern werden sich in den nächsten Jahren wohl einen neuen Job suchen müssen.

WIEDER AUFWÄRTS DURCH AUFZÜGE?

Um die Konzernsanierung zu finanzieren, sollen 49 Prozent der ertragsstarken Aufzugssparte an die Börse gebracht werden. 7 Mrd. Euro, so wird spekuliert, könnten dadurch in die Kassen fließen. Parallel wolle man einen Verkauf nicht ausschließen und sich „auch die vorliegenden Interessensbekundungen potenzieller Interessenten“ anhören. Das hat den finnischen Aufzughersteller Kone – einer der vier größten – auf den Plan gerufen, der deutlich machte, das lukrative Geschäft übernehmen zu wollen, aber auch Finanzinvestoren prüfen ein Engagement. Zuletzt brachte Kone-Chef Henrik Ehrnrooth eine Fusion mit dem Aufzugsgeschäft der Essener und einem Miteigentümer thyssenkrupp ins Gespräch. Dass die EU-Kommission einem Kauf einen Riegel vorschieben könnte, befürchtet Ehrnrooth nicht: „Wir denken, es ist machbar“. Eine weitere Option könnte das Zusammengehen mit dem Duisburger Stahlhändler Klöckner sein – mit einer solchen Fusion würde thyssenkrupps Werkstoffhandel-Sparte zum umsatzstärksten Anbieter in Europa und Nordamerika aufsteigen. Nach den Korrekturen im Jahresverlauf könnten Anleger jetzt in die thyssenkrupp-Aktie einsteigen, zumal die großen Stahlunternehmen derzeit vergleichsweise niedrig bewertet werden. Wer dies per Discount-Zertifikat tut, hat den Vorteil, dass dieses Produkt die Teilnahme an steigenden Kursen bis zur Höhe des Caps erlaubt, gleichzeitig aber einen begrenzten Schutz gegen leicht sinkende Kurse des Basiswerts bietet und Erträge auch bei stagnierenden Aktiennotierungen ermöglicht. Damit wären Renditen auch dann nicht ausgeschlossen, wenn der Turnaround ins Stocken gerät.

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