Interview | 27.09.2019

„Die Globalisierung hat einen gewaltigen Markt geschaffen“

Auf der Ars Electronica präsentierte Leonardo Lüpertz seine Kunst­handelsplattform „YAIR“. Im X-press-Interview äußerte er sich über den Wandel im Kunsthandel und die Bedeutung digitaler Kunst.

X-press: Sie haben sich mit Ihrem Berliner Start-up und ihrer neuen App „YAIR“, die jetzt kostenlos erhältlich ist, auf der Ars Electronica spektakulär im Mariendom mit einer besonderen Ausstellung präsentiert. Was macht die Ars Electronica so einzigartig?

Leonardo Lüpertz: Das Festival gibt es bereits seit 40 Jahren. Und von Anfang an ging es darum, einen neuen Weg zu schaffen, Kunst und Technologie zusammenzubringen. Schon die erste Ars Electronica war spektakulär. Im Jahr 1979 hielt ein Roboter aus Kanada die Eröffnungsrede. Es ist heute eines der größten Festivals rund um Technologie, Künstliche Intelligenz, biologische Fragen und Kunst. Und es ist ein Non-Profit-Event.

X-press: Was bietet „YAIR“ dem Kunstmarkt?

Leonardo Lüpertz: Wir bieten Künstlern, Galerien und Kunstinstitutionen an, ihre digitale Kunst oder Kunst aus den neuen Medien, die nicht physisch ist, über uns auf der Blockchain zu registrieren und das geistige Eigentum als Genussrecht zu vermarkten. Der Wert wird dann in Tokens widergespiegelt. Wir bieten auch Vorfinanzierung für Werke über Crowdfunding an, die noch nicht geschaffen worden sind. Wir reden hier natürlich von größeren Installationen, Video und Virtual-Reality-Werke. Die Idee dahinter ist, dass dein Beitrag dieses Werk erst möglich macht. Hier arbeiten wir vorerst hauptsächlich mit kuratierten Künstlern zusammen, die am Markt ­bereits erfolgreich sind. Wir wollen mit unserem Angebot speziell den digitalen Kunstmarkt fördern und auf neue Beine  stellen. 

X-press: In welche Richtung wird sich der Kunstmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Leonardo Lüpertz: Die letzten 30 Jahre waren geprägt von einem riesigen Boom. Die Globalisierung hat einen gewaltigen Markt geschaffen. Noch nie war der Kunstmarkt so populär wie heute, noch nie die erzielten Preise so hoch. Zu den Galerien und Auktionshäusern kommt nun verstärkt der Online-Auftritt hinzu. Die kleinen Galerien sterben dadurch aus und nur die großen überleben am Ende. Neue Technologien erschaffen neue Märkte. Und vor dem Hintergrund, dass digitale Kunst allgegenwärtig ist, hat sie bisher noch nicht den Wert der Blue Chips des Kunstmarktes erreicht. Das Interview führte Jürgen Wenzel

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