Kolumne | 22.08.2019

Hält der Goldrausch weiter an?

Bis vor kurzem war mir gar nicht richtig bewusst, dass sich die Bezeichnung „Golden State“ für Kalifornien von dem großen kalifornischen Goldrausch der Jahre 1848 bis 1854 herleitet.

Ich hätte das eher auf den vielen Sonnenschein dort geschoben. Anfang 1848 wurde auf einem Bauplatz für ein Sägewerk das erste Goldnugget entdeckt. Leider plauderten die Arbeiter – offensichtlich können Männer auch richtig geschwätzig sein – den Fund aus, so dass schon bald der Ansturm auf die Goldfelder begann. Innerhalb von zwei Jahren wuchs die Bevölkerung San Franciscos um den Faktor 25. Und wer sich Geld für Schaufeln oder ähnliches leihen musste, hatte dafür fünf Prozent Zinsen zu entrichten. Pro Woche. Puh, da sieht die Zinslandschaft heute doch etwas anders aus. Womit wir gleich zu dem kleinen Goldrausch der letzten Wochen überleiten können. Denn die Entwicklung der Zinsen war sicherlich einer der Hauptgründe dafür, dass der Goldpreis im Juli und August so richtig durchstartete. Hatte ich vor zwei Monaten an dieser Stelle noch beklagt, dass die technische Widerstandszone zwischen 1360 Dollar/Unze und 1375 Dollar/Unze immer noch valide gewesen war, so kam, was kommen musste: War diese einmal aus dem Weg geräumt, so zündete Gold den Turbo und schoss – beim Schreiben dieser Zeilen – auf den höchsten Stand seit April 2013, nämlich auf knapp 1535 Dollar/Unze. Hauptgründe dafür waren zum einen die weitere Eskalation im Zollkonflikt zwischen den USA und China, nachdem die USA die Bezollung aller restlichen Exportgüter aus China zum 1. September ankündigte. Dies schickte den Goldpreis als sicheren Hafen in den Anlegerhimmel. Mindestens genauso wichtig waren aber auch die rekordniedrigen Renditen der Staatsanleihen weltweit. So fielen diejenigen der USA auf den tiefsten Stand seit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten. Zeitweilig rentierten sämtliche Staatsanleihen Deutschlands; der Schweiz und der Niederlande negativ. Weltweit rentierten Staatsanleihen im Gegenwert von 15 Billionen Dollar negativ. Der Anleger bekommt also somit weniger Geld zurück, als er dem Staat zuvor geliehen hat. Irrsinnig eigentlich. Da Gold zwar gar keine Zinsen zahlt, aber zumindest auch keine negativen Zinsen verlangt, war dies natürlich eine Entwicklung, die viele Anleger den Weg zum Gold finden ließ. Beim Schreiben dieser Zeilen betrachten die Anleger den Handelskonflikt wieder etwas optimistischer. Die Renditen sinken aber weiter. Ist es an der Zeit, den Vorgarten mal auf der Suche nach Gold umzugraben?

Tags

X-press Magazin © 2019