US-Handelsstreit mit China | 22.08.2019

Streit unter „Freunden“

Donald Trump ist verärgert. Seiner Meinung nach beabsichtigt die chinesische Seite, den Handelskonflikt bis zu den nächsten US-Präsidentschaftswahlen im November 2020 auszusitzen, anstatt seinen Forderungen nachzukommen. Doch im Hintergrund arbeitet China schon längst an einer erfolgversprechenden Strategie, die den Inlandskonsum stärken und die chinesische Wirtschaft unabhängiger von den USA machen soll.

USA China

„Wir dachten, wir hätten vor drei Monaten einen Vertrag mit China abgeschlossen, aber leider entschied sich China, den Vertrag vor der Unterzeichnung neu zu verhandeln.“ Später hätten die Chinesen „zugestimmt, große Mengen landwirtschaftlicher Produkte aus den USA zu kaufen, das aber dann nicht getan“. „Mein Freund Präsident Xi (gemeint ist der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping) sagte, dass er den Verkauf von Fentanyl an die Vereinigten Staaten stoppen würde – das ist nie passiert, und es sterben weiter viele Amerikaner!“, twitterte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, nachdem ihn sein Handelsbeauftragter Lighthizer und der amerikanische Finanzminister Mnuchin über ihre Handelsgespräche mit einer chinesischen delegation unter Leitung des Vizepremiers Liu He in Schanghai Ende Juli 2019 unterrichtet hatten. Unterdessen meldete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, dass die Delegationen beider Länder „aufrichtige, effiziente und konstruktive Gespräche“ geführt hätten, die im September in Washington fortgesetzt werden sollen. Trump versicherte über Twitter: „Wir freuen uns darauf, unseren positiven Dialog mit China über einen umfassenden Handelsvertrag fortzusetzen, und sind der Meinung, dass die Zukunft zwischen unseren beiden Ländern sehr positiv verlaufen wird!“

Zuckerbrot und Peitsche

Das Ergebnis der ersten direkten Handelsgespräche der beiden größten Volkswirtschaften seit dem Scheitern der Verhandlungen im Mai offenbart, dass zumindest auf einer Seite große Unzufriedenheit über die derzeitige Verhandlungsposition herrschen muss. Wobei die Verhandlungen eher als ergebnislos zu werten sind. Ein Handelsabkommen scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Denn überraschenderweise erließ Trump neue Sonderzölle von 10 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 300 Milliarden Dollar (rund 270 Milliarden Euro), die ab dem 1. September erhoben werden sollen. Darüber hinaus drohte er seinem „Freund“ damit, dass die angekündigten Strafzölle von 10 Prozent auch auf 25 Prozent oder „deutlich darüber hinaus“ angehoben werden könnten. Setzt Trump seine Ankündigung um, würden ab September sämtliche chinesische Importe in die USA von Strafzöllen erfasst. Im Jahr 2018 hatten die Importe aus China übrigens einen Wert von rund 540 Milliarden Dollar. Chinas Außenminister Wang Yi verurteilte Trumps Ankündigung neuer Strafzölle damit, dass dies keine konstruktive Maßnahme zur Lösung der Wirtschafts- und Handelsspannungen sei. Deutlicher wurde Hua Chunying, eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums: „Wenn die Maßnahmen der USA zur Einführung von Zöllen umgesetzt werden, muss China notwendige Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Kerninteressen des Landes und die Grundinteressen der Menschen entschlossen zu verteidigen.“ Schließlich sei das Vorgehen der USA eine schwerwiegende Verletzung der Vereinbarung über eine Wiederaufnahme der Handelsgespräche.

Aktion und Reaktion

Nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle verbuchte die chinesische Währung Yuan starke Verluste. Erstmals seit 2008 kostete ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan – eine Marke, die unter Experten lange Zeit als „rote Linie“ galt, die die chinesische Notenbank ihrer Meinung nach nicht überschreiten werde. Doch eine schwache Währung könnte im internationalen Wettbewerb große Vorteile mit sich bringen und gar als eine Art Waffe in einem bevorstehenden Handelskrieg verwendet werden. Schließlich haben die in der jüngeren Vergangenheit erhobenen Zölle der Vereinigten Staaten bereits tiefe Spuren in der chinesischen Wirtschaft hinterlassen. So soll das chinesische Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2019 nur noch um 6,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum gewachsen sein – so langsam, wie seit 1992 nicht mehr. Gerade im Außenhandel zeichnen sich die Folgen der US-Strafzölle deutlich ab. In den ersten sechs Monaten gingen die Exporte in die USA um 8,1 Prozent zurück. Aus diesem Grund hat die kommunistische Führung in Peking bereits verschiedene Konjunkturhilfen wie monetäre Maßnahmen und Steuersenkungen in Höhe von fast zwei Billionen Yuan (rund 258 Milliarden Euro) beschlossen.

Diversifizierte Geldanlage

Mithilfe des Ausbaus sozialer Sicherungssysteme soll die chinesische Bevölkerung animiert werden, noch mehr zu konsumieren. Zu den Profiteuren zählen Unternehmen, die im chinesischen Konsumgütersektor aktiv sind. Unternehmen wie die IT- und Internetgiganten Alibaba, JD.com und Pinduoduo, der Technologiekonzern BYD, der Daimler-Großaktionär Geely, die in den Bereichen Medien und Gesundheitswesen tätigte Evergrande Health Industry oder auch der Babywindelhersteller Hengan International beispielsweise sind im Solactive China Consumer Index zusammengefasst. Dieser bildet die Kursentwicklung von insgesamt 20 chinesischen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung ab, die von der positiven Entwicklung des chinesischen Konsumgütersektors profitieren könnten. Entsprechend sind Anleger mit dem X-markets Open End Index-Zertifikat auf den Solactive China Consumer Index in diesem Bereich diversifiziert aufgestellt. Weitere Informationen zu dieser Anlagemöglichkeit finden Interessierte unter www.xmarkets.de.

Solactive China consumer Index-Zertifikat
WKN DS9CHC
Name Solactive China Consumer Index (NTR) Open End Index Zertifikat
Brief 0,00 EUR
Laufzeit Open End
Quanto
Stand 22.09.2019 18:14:31 Quelle: Deutsche Bank AG

neue wege

Neben dem Heimatmarkt könnten in Zukunft darüber hinaus alternative Absatzmärkte zu den USA in den Fokus Chinas rücken. So ist der frühere Vize-Handelsminister Wei Jianguo der Überzeugung, dass die Exporte nach Afrika schon im Jahr 2024 über 500 Milliarden Dollar jährlich betragen sollen. Doch das allein reicht der Pekinger Führung nicht. Bis zum Jahr 2030 sollen 80 Prozent der zur Produktion von künstlicher Intelligenz notwendigen Komponenten in China gefertigt und damit die Abhängigkeit von US-Importen etwa bei Mikroprozessoren reduziert werden. Unmöglich erscheint dies nicht, denn der chinesischen Führung wäre auch ohne den Druck von Trump sehr daran gelegen, die geopolitische Rivalität für sich zu entscheiden. 2018 investierte China für Forschung und Entwicklung bereits 300 Milliarden Dollar. Das sind Kosten, die sich auf den Gebieten künstliche Intelligenz oder Digitalisierung teilweise schon jetzt auszahlen. Daher ist auch die steigende Zahl von Absolventen insbesondere in den Fächern Mathematik, Ingenieurwesen und Informatik von China mehr als gewollt. Allein die 8,2 Millionen Universitätsabsolventen aus dem Jahr 2018 – mehr als doppelt so viele wie in den USA – sollen in Zukunft weitere chinesische Unternehmen in der Marktführerschaft etablieren.

Handelsbilanz USA

Heute so, morgen so

In dem Moment, als sich das Thema Strafzölle in den Medien wieder zu normalisieren schien, schaffte Mitte August erneut eine Nachricht aus dem amerikanischen Präsidentenhaus, die Strafzölle betreffend, den Weg in die Nachrichten-Sendungen. Denn laut dem US-Handelsbeauftragten soll nun die ursprünglich für September geplante Erhöhung der Zollsätze für Mobiltelefone, Laptops, Monitore, bestimmte Spielzeuge, Schuhe und Kleidungsstücke erst ab dem 15. Dezember gelten. Verwunderlich ist dies nicht, denn die zusätzlichen Zölle von 10 Prozent hätten die US-Verbraucher tatsächlich mehr als China treffen können, da sie indirekt aufgrund der erhöhten Warenpreise auf den Verbraucher-Konsum und somit auch auf das BIP gedrückt hätten. In der Folge wäre dies negativ für den amerikanischen Einzelhandel und dessen Beschäftigungssituation gewesen. Doch es kam bekannterweise anders. Negative Auswirkungen auf die kommenden Präsidentschaftswahlen konnten damit auch vorerst zeitlich nach hinten geschoben werden. Das Beste daran ist jedoch, dass das Weihnachtsgeschäft in den USA gerettet ist – Stand jetzt.

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