Was Anleger im neuen Jahr erwartet | 13.12.2019

2020

Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China, der immer wieder verschobene Brexit oder der wieder aufkeimende Konflikt im Nahen Osten – 2020 hält für Unternehmen, Märkte und Anleger einige Herausforderungen bereit. Doch diese bergen auch attraktive Chancen. X-press zeigt im Folgenden, was Anleger im Jahr 2020 erwarten können.

Kommentar

Nostalgie versus Ausblick

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, liegt ja die 200. Ausgabe des allerbesten Anlegermagazins der Republik vor Ihnen.

Michael Blumenroth

Alle Jahre wieder sind vor allem die Jahreswechsel die Zeit für viele Menschen, Bilanz zu ziehen. Sicher werden auch dieses Jahr einige Anleger die Feiertage „zwischen den Jahren“ nutzen, um die Wertentwicklung ihrer Anlagen unter die Lupe zu nehmen und zu überprüfen, welche erfolgreich waren und welche das Investmentziel nicht erreicht haben. Entsprechend ist der Beginn eines neuen Kalenderjahres ein guter Zeitpunkt, um vorauszublicken und den eigenen An­lagemix den neuen Gegebenheiten anzupassen. 2019 war aus der Sicht vieler Menschen gefühlt deutlich schlechter, als es beispielsweise die Zahlen an den Börsenmärkten widerspiegeln. Der Dax ist zum jetzigen Zeitpunkt Mitte Dezember auf einem guten Weg, das Jahr 2019 zweistellig positiv abzuschließen. Auch MDax und SDax sowie fast alle anderen Indizes überall auf der Welt konnten bis auf Indonesien gegenüber ihrem Stand Anfang 2019 – teilweise sogar deutlich – hinzugewinnen. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die meisten Anleger in der Abwärtsbewegung der Märkte im vorherigen Jahr 2018 mit deutlichen Verlusten schmerzhaft „bestraft“ worden sind. Die größte Beeinflussung der europäischen Märkte 2019 ging sicher vom Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie dem Brexit aus. Beide ungelösten Probleme dürften auch 2020 Druck auf die Börsen ausüben. Aber auch die weiterhin anhaltende Niedrigzinsphase wirkt sich auf Aktien- sowie Anleihemärkte aus. Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, sieht in seinen zehn Prognosen für 2020 vor allem den US-Wahlkampf, den Handelsstreit und den Brexit als Hauptherausforderungen für das kommende Anlagejahr. Aktien und Immobilien dürften nach Meinung von Dr. Stephan ein besseres Rendite-Risiko-Profil als Rentenanlagen aufweisen und Themeninvestments wie Nachhaltigkeit oder Technologie könnten die interessanteren Ertragsmöglichkeiten bieten (siehe dazu seine zehn Thesen nebenan und auf den folgenden Seiten). Für Deutschlands Exportwirtschaft könnten vor allem Chinas Konjunktureinbußen gefährlich werden. Trotz eines umfangreichen Konjunkturprogramms der Regierung in Peking ist eine Erholung der chinesischen Wirtschaft nicht zu erkennen. Mit einer größeren Ausdehnung des Konjunkturprogramms ist jedoch trotzdem nicht zu rechnen, da das Risiko von Blasen überproportional steigen würde. Daher wird sich die chinesische Konjunktur voraussichtlich nicht wesentlich beleben. Die sich daraus ergebende schwächere Nachfrage aus China belastet die weltweite Konjunktur. Insbesondere für die exportlastige deutsche Wirtschaft wird für 2020 im World Economic Outlook des IWF (siehe Diagramm Seite 15) nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent und für den Euroraum ein Wachstum von 1,4 Prozent erwartet. Deswegen hat die EZB ein umfassendes Lockerungspaket beschlossen. Unter anderem wurde der Einlagenzins von -0,4 Prozent auf -0,5 Prozent gesenkt und die Nettokäufe von Anleihen wurden ohne zeitliche Begrenzung im November wieder aufgenommen. Weitere geldpolitische Lockerungsinstrumente sind 2020 zu erwarten. Da die USA ebenfalls unter dem Handelskonflikt leiden, hat die Trump’sche Regierung die Obergrenze für Staatsausgaben deutlich angehoben. Für das kommende Haushaltsjahr 2019/2020, welches bereits im Oktober 2019 begann, bedeutet das Mehrausgaben von rund 150 Milliarden Dollar. Daher wird für 2020 ein Wachstum des BIPs von 2,1 Prozent erwartet. Überdies könnte es weitere Zinssenkungen geben.

BIP Wachstum

lösungen gefragt

Sollte der Deutsche-Bank-Chef-Anlagestratege Dr. Ulrich Stephan richtig liegen, wird neben dem Thema Nachhaltigkeit auch der Tech-Sektor 2020 wichtig bleiben, wenn auch die Dynamik weiterhin etwas nachlassen dürfte. Hier könnte sich der Einsatz von Discount-Zertifikaten als sinnvoll erweisen, da sie einen Einstieg in den Basiswert mit einem Preisabschlag ermöglichen, so einen gewissen Schutz gegen nachgebende Kurse bieten und sich zudem gerade für stagnierende oder wenig dynamische Märkte eignen. Angesichts der herbstlichen Kursrallye können Anleger deutlich unterhalb der aktuellen Höchstkurse in Basiswerte wie Amazon oder Apple einsteigen. Der Ölpreis dagegen konnte zur Freude der Autofahrer im Jahresverlauf seine Aufwärtsbewegung des ersten Halbjahrs 2019 nicht weiter fortsetzen und kämpft seit dem Sommer damit, die 60-Dollar-Marke zu halten. Sollte die Grenze fallen, könnte der Preis 2020 auch schnell wieder bei 50 Dollar pro Barrel stehen. Aus Anlegersicht zeigt der Blick zurück auf 2019, wie auch schon im Jahr 2018, vor allem eines: Investments, die allein auf Kursgewinne setzen, stoßen bei der gegenwärtigen Marktsituation deutlich an ihre Grenzen. Gleichzeitig eröffnen sich für Produkte mit abweichenden, an die Marktlage angepassten Renditestrukturen neue Möglichkeiten. Vor allem Zertifikate könnten in diesen Zeiten das richtige Anlagevehikel sein.

Prognosen für das Jahresende 2020
Dax 14 000 Punkte
Euro Stoxx 50 3770 Punkte
S&P 500 3200 Punkte
Bundesanleihe 10 Jahre -0,35 %
US-Treasuries 10 Jahre 1,85 %
Gold 1550 Dollar/Feinunze
Brent 58 Dollar/Barrel
EUR/USD 1,15 Dollar

Stand: 26.11.2019, Quelle: Deutsche Bank AG

Zertifikate nach wie vor gefragt

Mehr und mehr Anleger haben daher im zu Ende gehenden Jahr strukturierte Produkte für sich entdeckt, die dank ihrer Vielseitigkeit und Flexibilität auch dann Renditen erzielen können, wenn den Märkten mal die Luft ausgeht. Entsprechend haben renditebewusste Investoren in den ersten neun Monaten 2019 rund 3 Mrd. Euro neu in Zertifikate, Anleihen & Co. investiert. Branchenexperten wie der DDV-Geschäftsführer Lars Brandau sind sich daher sicher, dass der Markt für strukturierte Produkte auch 2020 weiter wachsen wird. Traditionelle Sparformen wie Sparbuch und Tagesgeld sind weiterhin aktuell keine renditeträchtige Alternative – und werden es wohl auch 2020 nicht sein. Denn zum Jahresende mehrten sich Aussagen von Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB), die darauf hindeuten, dass die seit März 2016 anhaltende Nullzinsphase auch unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde weiter andauern wird. Was Bauherren und Immobilienkäufer freut, sorgt bei den Anlegern nur für wenig Begeisterung. Insgesamt will die neue EZB-Chefin die europäische Konjunktur mit frischem Geld in Schwung bringen: „Investitionen sind ein besonders wichtiger Teil der Antwort auf die Herausforderungen von heute, da sie sowohl die Nachfrage von heute als auch das Angebot von morgen sind.“ Außer öffentlichen Investitionen nannte Lagarde auch private Investitionen von Unternehmen, die im Kampf gegen die Konjunkturschwäche unterstützen sollen. Eine Zentralbankpolitik des leichten Geldes bedroht die Tragfähigkeit der deutschen Pensionskassen, erodiert die Ersparnisse besonders der ärmeren und mittleren Bevölkerungsschichten, erschwert eine Sanierung des Bankensystems und führt zu fragwürdigen Übertreibungen bei Aktienkursen und den Preisen von Immobilien.

NiedrigerEs wachstumstempo

Praktisch alle Prognosen für das kommende Jahr gehen von einem niedrigen weltweiten Wachstum aus. So rechnet beispielsweise die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Ende November veröffentlichten Studie für fast alle großen Volkswirtschaften 2020 mit einem geringeren Wachstum als im Jahr davor. Zu den Ausnahmen gehört Deutschland, das beim realen Bruttoinlandsprodukt sein Wachstumstempo leicht steigern kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass Deutschlands Situation sich groß verbessert. Im Gegenteil sind viele Experten skeptisch und auch die Bundesregierung, die ihre Prognose zur Konjunkturentwicklung gerade veröffentlichte, klingt nicht gerade vielversprechend: Die Herbstprognose aus Berlin geht von 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum für 2019 und 1,0 Prozent 2020 aus. Nach der Berliner Meinung gibt es zwar einen wirtschaftlichen Abschwung, aber keine drohende Konjunkturkrise. „Die exportorientierte Industrie stehe zwar unter Druck, die Binnenkonjunktur sei aber weiterhin intakt“, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Ähnlich sah das zuletzt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Allerdings deutlich negativer eingefärbt: „Dass die Wirtschaft überhaupt noch expandiert, ist vor allem auf die anhaltende Kauflaune der privaten Haushalte zurückzuführen, die von den guten Lohnabschlüssen, Steuererleichterungen und Ausweitungen staatlicher Transfers gestützt wird“, so Claus Michelsen vom DIW. Eigentlich befindet sich die Wirtschaft aber laut Michelsen bereits in der Rezession. Als verantwortlich hierfür sieht er genau wie Dr. Stephan politische Unwägbarkeiten wie den Handelskonflikt mit China sowie einen weiterhin drohenden ungeregelten Brexit.

Hauptversammlungen

Meistens kommt es anders

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! Positiv zu werten ist, dass die Worst-Case-Szenarien für Verhandlungen zwischen China und den USA sowie bezüglich des Brexit zwischen dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland und der EU größtenteils vom Tisch sind. Die Finanzmärkte jedenfalls nahmen die verminderte Risikolage bereits auf und jubilieren zum Jahresende. Sollte die Stimmung sich 2020 positiver entwickeln als gedacht – unterstützt von den Zentralbanken –, könnten Unternehmensgewinne und in der Folge auch die Aktienkurse steigen. Und auch deutsche Arbeitsmarktexperten können keine Rezession entdecken. Im Gegenteil: Laut einer Studie der Prognos AG im Auftrag der bayrischen Wirtschaft könnte die Zahl der Arbeitslosen unter die Marke von 2 Millionen fallen – derzeit sind es noch fast 3 Millionen. Zehn Jahre später werden sogar nur noch 1,7 Millionen erwartet. Die Arbeitslosenquote, die heute 6,6 Prozent beträgt, würde in den beiden Schritten zunächst auf 4,8 und dann auf 4,2 Prozent fallen. Damit würde zumindest nach der Definition in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung herrschen.

Pflichtveranstaltungen

Auch 2020 gibt es wieder jede Menge interessante und spannende Veranstaltungen. Dabei geht es nicht nur um die sportlichen Megaevents wie die Fußball-Europameisterschaft im Juni/Juli – welche dieses Mal erstmalig in diversen Städten in Europa stattfindet – sowie die Olympiade im Juli/August in Japan. Beide werden sicherlich vielen Menschen Vergnügen bereiten und auch aus Anlegersicht Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Aktienmarkt haben (siehe hier). Viel spannender könnten für Privatanleger allerdings die vielen kleinen und großen Börsenveranstaltungen im Lande sein. Denn diese sind Orte, wo sich Anleger mit Experten auf gleicher Augenhöhe am besten austauschen können. Dort gibt es die Gratis-Informationen aus erster Hand. Und es ist völlig egal, ob das die Invest in Stuttgart, einer der zahlreichen Börsentage beispielsweise in Berlin, Frankfurt oder Dresden, die Edelmetallmesse in München oder die Frankfurter World of Trading ist – Möglichkeiten und viele Experten sind überall gegeben und es liegt an jedem Anleger selbst, diese auch zu nutzen (Übersicht Messen s. hier).

Gezielte Auswahl

Wer erfolgreich investieren will, sollte seine Hausaufgaben machen und so weit wie möglich sowohl geeignete Investments als auch die Marktlage im Auge haben. Wer der Aussage von Anlagestratege Dr. Stephan vertraut, könnte sich zum Beispiel bei den Themen Nachhaltigkeit und Technologie umsehen. Hier bieten sich zum Thema Nachhaltigkeit das Euro Stoxx Utilities X-pert Zertifikat mit der WKN 709347 und zum Thema Technologie das Euro Stoxx Technology Open End Index-Zertifikat mit der WKN 709344 an. Beide Produkte sind Index-Zertifikate und haben keine Laufzeitbegrenzung. Mit Index-Zertifikaten können Anleger auf einfache Weise in den obigen Fällen im Verhält­nis 1:10 an der Wert­ent­wick­lung eines Aktien­index teilhaben. Dieser Zertifikatetyp bietet Zugang zu in- und aus­ländischen Märkten, einzelnen Sektoren und bestimmten Anlage­themen. Eine Übersicht über alle Index-Zertifikate von X-markets gibt es auf www.index.xmarkets.de. Da in einem Index in der Regel mehrere Einzel­titel enthalten sind, investieren Anleger über Index-Zertifikate, also mit nur einer Transaktion, diversifiziert in mehrere Aktien. Durch die Diversifikation wird das Anlagerisiko im Vergleich zum Einzelwert reduziert. Ausgeschlossen ist es jedoch nicht: Sollte der Index fallen, erleiden auch Anleger einen Verlust. Umgekehrt lohnt sich eine Investition, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Index steigt. Aus Expertensicht wird einigen Märkten in 2020 viel Potenzial eingeräumt – für Anleger birgt das neue Jahr daher viele Chancen.

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