Interview | 13.12.2019

Lust an der Kunst

„Nur fünf Prozent der deutschen Galerien arbeiten profitabel“, sagt Kunsthändler Harald Bont. X-press traf den Kunsthändler in seiner liebsten Eventlocation, der Kameha Suite in Frankfurt, zum Gespräch.

X-press: Wie sind Sie Kunsthändler geworden?

Harald Bont: Zeit meines Lebens habe ich Kunst gesammelt und rein nach Gusto erworben. Mittlerweile ist eine private Sammlung von etwa 450 Exponaten mein Eigen. Als ich die Entscheidung traf, mich auf das Thema Kunst geschäftlich einzulassen, arbeiteten 95 Prozent der deutschen Galerien nicht profitabel. Um zu den erfolgreichen fünf Prozent zu gehören, musste ein innovativer Vermarktungsweg gefunden werden. Auf meiner einjährigen Reise 2009/2010 rund um den Globus entwickelte ich in Dubai die Idee von einer Galerie im luxuriösesten Hotel der Welt – im Burj al Arab. Acht Monate später konnte ich meine Idee verwirklichen und das königliche Hotelgebäude vom vierten bis zum 24. Stock bestücken. Heute sind wir mit Destinationen in Dubai und Frankfurt vertreten.

X-press: Welchen Tipp geben Sie Kunstliebhabern?

Harald Bont: Wer die Lust empfindet, ein Kunstwerk zu erwerben, weil es gefällt oder anspricht, sollte dieser Lust auch nachgeben. Diese Handhabe prägt mein Verständnis als Kunsthändler, denn ich sehe mich nicht als Galerist im herkömmlichen Sinne. Ausstellungen in der Spielbank Bad Homburg oder im Frankfurter Lamborghini Showroom, aber auch mein nun zehnjähriges Engagement in der Kameha Suite in Frankfurt, die ich mit ständig wechselnder Kunst und zwei großen Kunstausstellungseröffnungen pro Jahr bespiele, haben eine neue Art der Vermarktung populär gemacht. Anders als die Galerie-Päpste, die den Markt eng halten, schaffen unsere Kunstpartys bis zu 700 Gästen die Lust an der Kunst selbst.

X-press: Welcher Gegenwartskünstler steht gerade hoch im Kurs?

Harald Bont: Aus meiner Sicht macht Nathali von Kretschmann, mit der ich seit drei Jahren zusammenarbeite, mit ihren Werken auf hochwertigem Aluminium die derzeit größten kreativen Sprünge. Ich gehe davon aus, dass sie in den nächsten fünf Jahren in eine Umsatzregion von mehreren Millionen Euro pro Jahr vorstoßen kann. Aber auch Sven Sauer, bekannt aus seinem Engagements der Kult­serie „Game of Thrones“, wird seinen Weg erfolgreich fortsetzen.

X-press: Wie wird sich der Kunstmarkt in Frankfurt entwickeln?

Harald Bont: Frankfurt ist in Sachen Kunst insbesondere durch Max Hollein als damaligen Direktor vom Städel und der Schirn ohnehin sehr stark aufgestellt. In Zukunft werden fantastische Ausstellungen der großen Häuser und Kunstevents, wie wir sie praktizieren, zum nachhaltigen Renommee der Kunststadt Frankfurt beitragen.

Das Interview führte Marcus Kapust

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